40. Geburtstag des Herz- und Kreislaufzentrums mit Hans-Dietrich Genscher

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Im Gespräch: Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald (links) mit Hans-Dietrich Genscher.

Rotenburg. Großer Bahnhof am Donnerstag in der Göbel Hotels Arena: Zur Feier 40 Jahre Herz- und Kreislaufzentrum in Rotenburg waren unter den 250 geladenen Gästen auch der langjährige Bundesaußenminister und Vizekanzler Hans-Dietrich Genscher.

Begleitet wurde er von seiner Frau, Barbara Genscher. Sie ist Schirmherrin der Deutschen Herzstiftung. Zum ersten Mal sprachen die beiden gemeinsam auf einer Veranstaltung, erklärte Festredner Hans-Dietrich Genscher.

Barbara Genscher ist seit 1987 Schirmherrin der Herzstiftung, die sich Information und Aufklärung auf ihre Fahnen geschrieben hat. Herzerkrankungen sind immer noch die Todesursache Nummer eins in Deutschland. Man wolle eine Brücke zwischen Patient und Arzt schlagen, sagte sie, und lobte die Zusammenarbeit mit dem HKZ. Prof. Christian Vallbracht, Chefarzt der Kardiologie, ist seit vielen Jahren aktives Mitglied des wissenschaftlichen Beirats und Förderer. Jährlich werden in der Stiftskirche Benefizkonzerte zugunsten der Herzstiftung veranstaltet.

Barbara Genscher nannte auch die Heinz und Gudrun Meise-Stiftung. die die Forschung unterstützt. Gudrun Meise, die Witwe des HKZ-Gründers, war auch unter den Festgästen.

Auf die hoch spezialisierte Versorgung im Akut- und Reha-Bereich am HKZ ging der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner ein und nannte den Hybrid-OP und die Implantation von Kunstherzsystemen. Seit 2011 verfügt das HKZ auch über eine Neurologie, die Schlaganfall-Einheit (Stroke Unit) wurde im vergangenen Jahr zertifiziert. Grüttner betonte die Bedeutung von Qualität und erteilte dem Einzelkämpfertum von Kliniken eine Absage. Eine Erweiterung von Versorgungsaufträgen sei nur bei einer Kooperation von Kliniken möglich. Von einer herausragenden Arbeit des HKZ für die Region sprach Prof. Edgar Franke, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Bundestages. Das HKZ sei unersetzlich für die Region.

Im Gespräch: Der Chefarzt der Herz- und Gefäßchirurgie, Privatdozent Dr. Ardawan Rastan im Austausch mit Hans-Dietrich Genscher, einem der Großen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Eine Steilvorlage gab Prof. Vallbracht dem Festredner Hans-Dietrich Genscher mit den Worten, dass man sich um die Verbindung von erstklassiger Medizin und Zuwendung bemühe. Genscher berichtete von der Zuwendung, die er durch Schwestern und Ärzte schon im Alter von 19 Jahren erfahren hatte, als er schwer an Tuberkulose erkrankt war.

Die Moderation des Festaktes hatte Lothar Kolb übernommen, langjähriger Leiter des HKZ-Freizeitzentrums. Eva Gerlach (Klavier) und Wolfram Geiss Violoncello) sorgten für den musikalischen Rahmen.

Nach 50 Jahren Ehe spreche er das erste Mal gemeinsam mit seiner Frau auf einer Veranstaltung. Aber „heute habe ich das letzte Wort“, sagte Hans-Dietrich Genscher (87), ein kurzweiliger Redner und spannender Zeitzeuge der Nachkriegsgeschichte.  Der ehemalige Außenminister und Vizekanzler Genscher war nicht das erste Mal in der Region. Auch die Bad Hersfelder Festspiele hat er schon besucht, und in Rotenburg war er vor der Grenzöffnung 1989.

Quartier bezog er im damaligen Hotel Pergola. Die Fachwerkstadt nahe der innerdeutschen Grenze diente ihm als Zwischenquartier auf der Fahrt von Bonn nach Halle an der Saale, wo er einen Vetter besuchen wollte.

Hans-Dietrich Genscher war Zeit seines Lebens immer wieder mit Krankheit konfrontiert. Als mit 19 Jahren bei ihm eine schwere Tuberkulose festgestellt wurde, habe der Arzt zu ihm gesagt: Wir können nichts mehr für dich tun, jetzt musst du selbst kämpfen. Er empfinde Demut und Dankbarkeit für die freundlichen Worte der Schwestern und das, „was ich im Leben erfahren habe“.

Gründung des HKZ

Die Gründung des HKZ vor 40 Jahren sei eine revolutionäre Idee von Heinz Meise gewesen, es sei eine wunderbare Einrichtung. Das Haus genieße hohes Ansehen, sagte der ehemalige Außenminister, der selbst im Juli 1989 einen Herzinfarkt erlitten hatte und trotzdem wenige Wochen später auf dem Balkon der Prager Botschaft Geschichte schrieb.

Fotos von der Feier

40 Jahre Herz- und Kreislaufzentrum

Soziale Gerechtigkeit, eine medizinische Spitzenversorgung für alle Bürger Deutschlands und die Gewissheit, in dieser Gesellschaft gut aufgehoben zu sein, das sei ihm wichtig, sagte Genscher, der auch ncht vergaß, sein Bekenntnis zu Europa zum wiederhoten Male zu erneuern: „Wir haben nur eine Zukunft als Europäer.“

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann 

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