Der natürliche Fressfeind kommt aus Asien

Wenig Hechte in der Region: Fisch des Jahres leidet unter Flussbegradigungen

Probleme: Der Hecht ist der Fisch des Jahres. Vermutlich aus Asien stammende Kormorane sorgen dafür, dass die Bestände des Hechts auch in der Region arg dezimiert werden. Fotos: nh

Friedlos. Für viele Angler ist es die Königsdisziplin: Einmal einen Hecht fangen. Und dann am besten einen richtig großen. Es ist ein richtiger Kampf, die bis zu 1,30 Meter langen und 20 Kilogramm schweren Raubfische an Land zu ziehen.

Doch es wird immer schwieriger, den Fisch des Jahres 2016 an den Haken zu bekommen.

Gerhard Schüßler, Vorsitzender des Fischereivereins Bad Hersfeld, erklärt die Probleme: „Der Hecht braucht Überschwemmungsgebiete zum Laichen. Durch Flussbegradigungen sind diese kaum noch vorhanden.“ Inzwischen werden durch die Renaturierung diese Gebiete wieder zurückgebaut, um dem Hecht und anderen Fischen wie Eschen dort wieder eine Möglichkeit zur Fortpflanzung zu geben. Der Fischereiverein bezahlte 2016 zudem 14 000 Euro für neuen Fischbesatz, darunter 25 größere Hechte.

Doch genau hier schnappt der größte Feind des Hechts zu – der Kormoran. Schüßler glaubt, dass die Tiere aus Asien eingeschleppt wurden. Sie seien für viel Schwund verantwortlich: „Es gibt auch in Deutschland Kormorane, diese leben aber an den Küsten.“

30 Kormorane sind in der Region pro Jahr zum Abschuss freigegeben, die Lizenz läuft jedoch 2018 aus. Eine Erneuerung wird laut Schüßler schwierig, da ein Gutachten benötigt wird. Der Jagdverband setze sich auch für eine Erneuerung ein. Kormorane können bis zu 60 Zentimeter große Hechte fressen. Nilgänse seien auch ein wachsendes Problem.

Schüßler glaubt jedoch, dass insgesamt nicht genug getan wird: „Es gibt nicht genug Flachwasserzonen, auch für andere Fische. Der Plan für 2015 wurde nicht erreicht und ist auf 2027 verlängert worden.“ Es gebe inzwischen Vereine, die keinen neuen Besatz mehr kaufen.

Der Fischereiverein hat daher längere Schonfristen beschlossen, um den Hecht zu entlasten. Zu Konfrontationen mit dem Naturschutz kommt es laut Schüßler nicht. Der Hechtbestand dürfe nicht andere Fische gefährden.

Etwa 70 bis 80 Hechte werden im Landkreis pro Jahr gefangen, sowohl in der Fulda, als auch in Teichen. Das sei zwar nicht mit den Fängen in den 50er- und 60er-Jahren zu vergleichen, sei aber im Vergleich noch eine gute Zahl.

Doch nicht nur Hechte leiden unter eingeschleppten Tierarten. Der heimische Edelkrebs sei in der Fulda fast verschwunden. Parasiten, von amerikanischen Krebsen eingeschleppt, hätten den Bestand stark dezimiert.

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