Heimat für den Rotmilan in Waldhessen

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Bei Dankerode jagte dieser Rotmilan dicht über dem Haseltal: Gut erkennbar ist der arttypische tief eingekerbte Schwanz. Bei uns ist deshalb eher der Name Gabelweihe gebräuchlich. Das Foto wurde Anfang Juni aufgenommen.

Rotenburg/Bebra/Cornberg. Die Franzosenstraße gehört nach einer aktuellen Zählung der Vogelschützer zu den Zentren des Rotmilans in Hessen. Zehn Rotmilan-Paare leben aktuell in dem Bereich – dort, wo sich künftig mehrere große Windkrafträder drehen sollen.

Arno Werner von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) spricht von einem hessischen Spitzenwert. Einen solchen erreichen nicht einmal die europäischen Top fünf Vogelschutzgebiete in Hessen für den Rotmilan, erklärt Werner.

Ob und wie viele Paare bei uns leben, war bisher nicht klar. Deshalb wurde in diesem Jahr im Bereich der Franzosenstrasse gezählt, erläutert Arno Werner gegenüber unserer Zeitung. Anlass ist die Planung von mehreren Vorranggebieten für Windenergieanlagen. Die in den amtlichen Karten vorgesehenen Flächen tragen die Bezeichnungen ESW 041, HEF 001, 005 und 012.

Die Rotmilan-Paare leben auf etwa 44 Quadratkilometern Fläche. Sie wird begrenzt von Bebra und Lispenhausen im Süden, im Norden von Stolzhausen im Werra-Meißner-Kreis und im Osten bilden Cornberg und Asmushausen die Grenze.

Werner erklärt, dass an den Windkaftanlagen immer wieder Vögel und Fledermäuse verunglückten. Hat der Rotmilan, der auch tote Tiere nicht verschmäht, solche neuen Nahrungshabitate entdeckt, zieht es ihn immer wieder dorthin.

Blick über Schwarzenhasel Richtung Franzosenstraße: Dort leben zehn Rotmilan-Paare. Sie fliegen bis in die Fuldaaue, wenn dort das Grünland gemäht wird oder um nach toten Tieren an den Bundesstraßen und der Bahnstrecken zu suchen.

Die bis zu 300 Stundenkilometer schnell drehenden Flügelspitzen könne der Milan aber nicht einschätzen. Von allen gefundenen Vögeln stehen die getöteten Rotmilane deshalb ganz oben auf der Opferliste, die die Vogelschutzwarte Brandenburg zentral für Deutschland führe, sagt Werner. Die geplanten Windenergieanlagen stellten deshalb eine erhebliche Gefahr für die Art dar, die weltweit gefährdet ist

Vogelschutzgebiet geplant

Dem RP Kassel wurde bereits ein Zwischenbericht zugeleitet. Die HGON plant nun laut Arno Werner ein EU-Vogelschutzgebiet speziell für den Rotmilan mit der Kernzone Franzosenstrasse.

Der Vogelschützer erinnert an einen ähnlichen Fall bei Dens. Windräder sollten in einem Gebiet aufgestellt werden, wo mehrere Rotmilan-Paare brüten und Nahrung suchen. Das Gericht entschied, eine Errichtung der Anlagen setze die europarechtlich geschützten Vögel einer deutlich erhöhten Gefahr aus, von Rotorblättern getötet zu werden. Das verstoße gegen das Naturschutzgesetz (Aktenzeichen: 4 K 749/11.KS). (ank)

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