Festspiele: Kunst der Verwandlung

In der Maske sind eine ruhige Hand und starke Nerven gefragt

Konzentriert, aber trotzdem gut gelaunt: Angela Ludwig, Leiterin der Maske bei den 66. Bad Hersfelder Festspielen, mit Schauspieler Robert Joseph Bartl, der den Meister im Stück „Krabat“ spielt und mal jung und mal alt erscheinen muss. Fotos: Maaz

Bad Hersfeld. Mit Schwamm und Pinseln geht Angela Ludwig konzentriert zu Werke. Die Leiterin der Maske bei den Bad Hersfelder Festspielen arbeitet an Robert Joseph Bartls Erscheinung als Meister im Stück „Krabat“ – eine der aufwändigsten Masken in diesem Jahr. Denn der Meister ist immer wieder mal jung und mal alt.

Wie lang und wie dicht sollen die Haare sein, wie dunkel die Augen? Drei verschiedene Perücken, handgeknüpft aus Echt- und Kunsthaar, in schwarz, mit grauen Strähnen und in weiß, sind mit Hilfe eines Kopfmodells für Bartl angefertigt worden. Etwa 40 Stunden benötigt man für so eine Perücke, erklärt Ludwig.

Schon die langen Haare verändern Bartls Aussehen, der das Haar sonst kurzgeschoren trägt. Auch Kostüm-Chefin Ella Späte wirft einen Blick auf das Ergebnis. Bartl selbst hat ebenfalls ein Mitspracherecht in dem kreativen Prozess.

Mit Fett-, Trocken- und Nasschminke arbeiten Ludwig und ihre Kollegen, manchmal darf es auch „Blutschurf“ aus der Dose sein. Mit der Fett- und Trockenschminke wird das Gesicht modelliert, die Nassschminke eignet sich für größere Körperflächen. Schon ein paar Linien oder Betonungen können viel ausmachen.

Während Ludwig sein Gesicht „bearbeitet“, sitzt Bartl scheinbar gelassen auf seinem Stuhl. „Das gehört einfach dazu und man gewöhnt sich daran“, sagt der Schauspieler. „Die Maske unterstützt meine Arbeit und die des Regisseurs.“ Zu den aufwändigsten Verwandlungen habe bisher die Maske für die Rolle der bösen Stiefmutter in „Cinderella“ gehört. „Dafür habe ich vor jeder Aufführung zwei Stunden in der Maske gesessen“, verrät Bartl. Auch die Rolle eines transvestitischen Engels habe einigen Aufwand bedeutet. „Aber solche Rollen liegen mir, ich bin nicht so der Anzugspieler.“

Jeder Hauptdarsteller hat seine persönliche Maskenbildnerin beziehungsweise seinen persönlichen Maskenbildner.

Angela Ludwig ist zum zweiten Mal bei den Festspielen dabei. Rund 20 Mitarbeiter gehören zu ihrem Team, darunter zwei Männer. Studiert hat die 36-Jährige an der Kunsthochschule in Dresden. „Ich habe früher Ballett gemacht und mich schon immer auch fürs Theater interessiert, stehe aber selbst lieber im Hintergrund“, erklärt die Maskenbildnerin ihren Berufswunsch, auf den sie aber eigentlich ihre Mutter gebracht habe. „Nur mit dem Frisieren habe ich mich anfangs schwer getan“, erinnert sich Ludwig lachend.

In der Maske ist nicht nur ein ruhiges Händchen gefragt. Man muss auch strapazierfähig und gleichzeitig sensibel sein, sagt Ludwig. Nur so könne man den Druck und den Stress abfangen, der gerade vor einer Aufführung besonders groß sei. „Mir gefällt die Mischung aus Handwerk und Kreativität sowie die Nähe zum Geschehen“, berichtet die 36-Jährige, die ausschließlich fürs Theater arbeitet und die besonderen Herausforderungen dort mag. „Alles muss schnell gehen und die Verwandlung ist in der Regel größer als beim Film.“

Welche Verwandlung der Meister sowohl inhaltlich als auch äußerlich durchmacht, können die Zuschauer ab dem 28. Juni erleben.

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