Nur hübsch aussehen reicht nicht

Wochenendporträt: Die österreichische Schauspielerin Elisabeth Lanz ist eine Frau mit vielen Talenten

Sie macht auch im Kuhstall eine gute Figur: Die Schauspielerin Elisabeth Lanz mit einem frisch-geborenen Kälbchen im Stall des Landwirtschaftszentrums Schloss Eichhof. Es dauerte eine Weile, bis dieses Foto entstand. Elisabeth Lanz näherte sich sehr einfühlsam und ganz langsam dem Jungtier. Fotos: Struthoff

Bad Hersfeld. Das kleine Kälbchen ist erst in der Nacht auf dem Eichhof geboren. Mit ängstlichem Blick und auf wackligen Beinen stakst es durch den Käfig. Ganz langsam nähert sich Elisabeth Lanz dem scheuen Tier, spricht beruhigend auf das Kälbchen ein und schließlich trinkt es aus dem Milcheimer mit dem großen Schnuller, den ihm die Schauspielerin hinhält.

Mit Tieren kennt sich Elisabeth Lanz aus. Immerhin spielt sie seit zehn Jahren die Rolle der TV-Tierärztin Dr. Susanne Mertens. Ende August kommt eine neuen Staffel ins Fernsehen. Da liegt es nahe, den Fototermin in die Stallungen des Hessischen Landwirtschaftszentrums Schloss Eichhof vor den Toren von Bad Hersfeld zu verlegen.

Dennoch will die 44-jährige Österreicherin nicht auf die Rolle der netten und zudem attraktiven Tierärztin Dr. Mertens festgelegt werden. „Ich habe immer auch schon andere Rollen gespielt“, sagt sie. Sie könne auch böse und zickig. Allerdings würden die wenigsten Journalisten ihre ganze schauspielerische Bandbreite kennen.

In Bad Hersfeld spielt Elisabeth Lanz so eine andere Rolle und agiert dabei mit der vollen Bandbreite ihrer Schauspielkunst. Als betrogene Ehefrau Elisabeth Proctor, kämpft sie in Dieter Wedels „Hexenjagd“ um ihren Mann, dessen Ruf, ihre Liebe – und lässt ihn am Ende um der Wahrhaftigkeit willen in den Tod gehen. „Ich bin mir nicht sicher, ob auch Elisabeth Lanz am Ende das Prinzip hätte gewinnen lassen“, sagt sie nachdenklich.

Elisabeth Proctor ist zweifellos die Gute in dem Stück. „Negative Charaktere sind für Schauspieler nicht unbedingt attraktiver als Positive“, findet Elisabeth Lanz. Vielleicht liegt das daran, dass sie auch privat eine positive Lebenseinstellung pflegt: „Ich liebe Menschen, und ich habe immer das Bedürfnis, etwas zu geben.“ Doch Schönheit und positive Kraft wirke offenbar auf manche Menschen provokant, werde oft als seicht gewertet und deshalb angegriffen. „Die Fähigkeit, Schönheit wahrzunehmen, muss man erst lernen. Etwas blöd zu finden ist viel leichter.“

Ein wenig genervt reagiert sie trotz ihres Plädoyers für die Schönheit auf die Frage, wie wichtig gutes Aussehen für den Erfolg als Schauspielerin ist. „Ich bin jetzt seit 25 Jahren im Beruf und finde es toll, dass mir diese Frage immer noch gestellt wird“, sagt sie und nimmt dabei mit ihrem warmen, österreichischen Dialekt der kleinen Spitze ihre Schärfe. Klar sei gutes Aussehen zunächst ein Türöffner. „Aber letztlich musst du etwas mitbringen, an dir arbeiten. Hübsch aussehen allein, das geht gar nicht.“

So hat Elisabeth Lanz auch keine Angst vorm Älterwerden. Sie habe sich schon als 20-Jährige auf das 40-Werden gefreut. Sie sei jetzt in der Mitte des Lebens. „Es ist nicht schlimm, als Frau in diesem Beruf älter zu werden, schlimm ist es, immer noch solche Fragen gestellt zu bekommen.“

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