Konzert in der Stiftsruine

Jan Josef Liefers erzählte Geschichten der Nacht

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Magischer Moment: Jan Josef Liefers sucht den Kontakt zu seinem Publikum und bringt die Menschen in der Bad Hersfelder Stiftsruine zum Tanzen.

Bad Hersfeld. Jan-Josef Liefers weiß jetzt, warum die Stiftsruine Stiftsruine heißt. „Weil einem ganz schön der Stift geht, wenn man da vorne auf der Bühne steht und ins Publikum schaut", scherzte er zum Auftakt des ersten Konzertes mit seiner Band Radio Doria am Dienstagabend.

Doch welche Unsicherheiten auch immer dagewesen sein mögen, sie lösten sich schnell in Luft auf. Liefers und seine Musiker zeigten sich locker und gut aufgelegt und das Publikum war mehr als bereit, sich auf „die freie Stimme der Schlaflosigkeit“, so der Titel der aktuellen CD, einzulassen und mitzugehen.

„Alles, was wir nachts erleben, nimmt so eine wahnsinnige Dimension an, die es tagsüber nicht hat“, lud Liefers zu Geschichten aus der Nacht, „dieser intensiven, geheimnisvollen Zeit, in der sich eine unglaubliche Kraft hochschaukelt und jeder Gedanke, jedes Gefühl groß wird“, ein.

Jan Josef Liefers und Radio Doria in der Stiftsruine: Johann Weiß (Gitarre), Timo Fenner (Bass), Christian Adameit (Schlagzeug), Jan Josef Liefers, Gunter Papperitz (Keyboards), Jens Nickel (Gitarre) (von links).

Und so ging es um Gefühle, um Liebe und Sehnsucht, um unerfüllte und erfüllte Träume, um Wünsche, die wahr werden können und um den Rückenwind, der Menschen auf ihrem Weg durchs Leben beflügelt. Manchmal wird es auch politisch, wenn Liefers die Not der Tiere im Wald besingt - dazu kommen die Musiker mit Tiermasken auf die Bühne - oder den Fanatismus von Selbstmordattentätern zum Thema macht und von einer Familie in Israel erzählt, deren Tochter kurz vor der Hochzeit bei einem Bombenanschlag getötet wurde und die dennoch Kontakt mit der Familie des Attentäters aufnahm. Dieses Lied singt Liefers ganz alleine, ohne Band, nur mit Banjo, und schafft damit einen der anrührendsten Momente des Abends.

Peinliche Dinge der Kindheit

Zwischendrin erzählte Jan Josef Liefers immer wieder kleine Anekdoten, zum Beispiel von den geheimnisvollen Kisten, in denen Mütter alle Dinge sammeln, die ihnen aus dem Leben ihrer Kinder bedeutend erscheinen - peinliche Dinge, die dann, wenn es am wenigsten passt vor möglichst vielen fremden Menschen präsentiert werden.

Mehrfach sucht er die Nähe zum Publikum, geht durch die Reihen, lässt Leute mitsingen und bringt sie zum tanzen. Trotzdem dauert es ziemlich lange, bis der Funke wirlich überspringt, bis die Menschen in der komplett ausverkauften Stiftruine aufstehen und mitklatschen.

Natürlich steht Liefers als Film- und Fernsehstar im Mittelpunkt des Abends, doch auch seine Musiker dürfen mit Solonummern zeigen, dass sie alle Meister auf ihren Instrumenten sind.

Und dann gibt’s auch noch zum Mitsingen „Verlorene Kinder“, einen der bekanntesten Songs von Radio Doria und die Versicherung „Wir werden uns wiedersehen“.

Mit lebhaftem Beifall erklatscht sich das Publikum auch noch eine Zugabe. Ein zweites, ebenfalls aufverkauftes Konzert, gab es am Mitwoch.

Konzert von Jan Josef Liefers in der Stiftsruine

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