Martina Köbberich war in Simbabwe und berichtet heute von ihren Erlebnissen

Kinder waren überwältigt

Martina Köbberich und Munyaradzi. Foto:  nh

Lispenhausen. Martina Köbberich vom Lispenhäuser Verein „Wir unterstützen Waisenkinder in Simbabwe“ (WuWis) war sechs Wochen lang in Simbabwe, um sich vor Ort ein Bild vom Leben der Menschen und den Projekten, die der Verein unterstützt, zu machen. Heute, Samstag, 2. Oktober, berichtet sie ab 18 Uhr bei einem Vortrag im Lispenhäuser Bürgerzentrum über ihre Eindrücke und die Arbeit ihres Vereins. Wir sprachen vorab mit ihr.

Frau Köbberich, bevor Sie nach Simbabwe gefahren sind, haben Sie gesagt: „Es wird sicher eindrucksvoll.“ Was war im Nachhinein am eindrucksvollsten?

Martina Köbberich: Zwei Dinge haben mich sehr beeindruckt: Zum einen die Schönheit des Landes, die Schönheit der Natur. Zum anderen natürlich die Menschen, die in Simbabwe leben: Es war toll, mit welcher Offenheit und Herzlichkeit mir die Menschen überall begegnet sind - und das in einem Land, in dem die Unterschiede zwischen Arm und Reich so groß sind, in dem die Not so groß ist.

Unter anderem haben sie in Mutare ein Waisenhaus besucht, das Ihr Verein WuWis unterstützt. Wie war Ihr erster Eindruck?

Köbberich: Als ich in dem Stadtteil ankam, in dem das Waisenhaus steht, dachte ich zunächst: Das sieht doch alles ganz nett aus. Es gibt schöne Häuser mit rosafarbenem Anstrich, dazu eine bombastische Kirche und eine schöne Landschaft. Dann habe ich die barackenartigen Gebäude gesehen, aus denen das Waisenhaus besteht.

Was dachten Sie da?

Köbberich: Das hat mich schon bedrückt. Ich war zwar darauf vorbereitet, doch vor Ort ist das natürlich noch mal eine ganz andere Situation.

Wie haben die Kinder dort auf Ihren Besuch reagiert?

Köbberich: Die Kinder waren zunächst etwas verschüchtert, vor allem, weil sie es ja nicht gewohnt sind, Besuch zu bekommen. Dann waren sie aber sehr bemüht, höflich zu sein und mit mir in Kontakt zu treten.

Sie haben aus Deutschland Geschenke mit ins Waisenhaus gebracht, zum Beispiel Päckchen, die die Mitglieder ihres Vereins für die Kinder gepackt haben. Wie waren die Reaktionen darauf?

Köbberich: Die Kinder waren überwältigt. Allgemein sind sie sich der Hilfe aus Deutschland sehr bewusst und auch sehr dankbar dafür. Das zeigt mir, dass man auch mit einem kleinen Projekt wie unserem viel Gutes tun kann.

Neben Päckchen mit Geschenken: Was hat Ihr Verein bisher vor Ort im Waisenhaus bewegt?

Köbberich: Wir haben im Waisenhaus eine Maismühle in Gang gebracht. Und wir haben für sanitäre Anlagen gesorgt und den Speisesaal saniert. Außerdem haben die Kinder Schränke und Betten bekommen. Wir leisten zudem viel für die medizinische Versorgung der Kinder. Besonders die HIV-infizierten Kinder, die im Haus leben, haben das sehr nötig.

Was leistet Ihr Verein sonst noch in Simbabwe?

Köbberich: Viele Kinder besuchen nur eine Art Grundschule, danach ist ihre Ausbildung eigentlich beendet. Mit Spendengeldern versuchen wir, ihnen den Besuch einer weiterführenden Schule zu ermöglichen. Momentan zahlen wir für zehn Kinder das Schulgeld. Zudem helfen wir jungen Erwachsenen, die bereits fertig mit der Schule sind, bei der Suche nach Arbeit: Drei von ihnen leben zurzeit vorübergehend bei Petra Krumpen...

...der ehemaligen Lispenhäuser Jugenddiakonin...

Köbberich: ...und werden von uns finanziell unterstützt. Wenn die Jugendlichen einen Job und eine eigene Wohnung gefunden haben, wollen wir ihnen dafür eine Grundausstattung - also zum Beispiel eine Matratze und Töpfe - finanzieren.

Was ist Ihrer Meinung nach zentral bei der Hilfsarbeit in Ländern wie Simbabwe?

Köbberich: Das Wichtigste ist, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Schulen zu ermöglichen. Und ihnen dann zu vermitteln, dass sie ihre Chancen ergreifen müssen, dass sie lernen und fleißig sein müssen: um ihre Zukunft selbst gestalten und später unabhängig werden zu können.

Werden Sie noch einmal nach Simbabwe reisen?

Köbberich: Ja, auf alle Fälle. Im Frühjahr 2012 will ich wieder hin - und ich suche noch Mitstreiter, die mitkommen und sich einmal direkt vor Ort über das Leben der Menschen dort informieren wollen. Wenn man einmal dort war und die Kinder erlebt hat, fesselt einen das einfach. Dann will man auch wieder nach Simbabwe. www.waisenhaus-simbabwe.de

Von Stefan Düsterhöft

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