Kinderporno-Prozess: Lehrer zieht Berufung zurück

Fulda/Rotenburg. Das Urteil des Amtsgerichts Rotenburg gegen einen 62 Jahre alten Lehrer aus dem Kreisteil Rotenburg wegen des Herunterladens kinderpornografischer Bilder ist rechtskräftig.

Der Anwalt des Lehrers, Sven Schoeller aus Kassel, zog am Mittwoch die Berufung vor dem Landgericht Fulda zurück. Das bestätigte der Vorsitzende der Zweiten Strafkammer, Dr. Jörg Weddig.

Die Staatsanwaltschaft Fulda stimmte der Rücknahme des Einspruchs zu. Damit ist das Berufungsverfahren beendet, das erstinstanzliche Urteil aus Rotenburg ist gültig. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst ebenfalls Berufung gegen das Rotenburger Urteil eingelegt, dann die Berufung aber zurückgezogen.

Das Amtsgericht in Rotenburg hatte den mittlerweile pensionierten Pädagogen im Juni 2010 wegen des Besitzes von Kinderpornografie zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt. Der Angeklagte sei zwar nicht vorbestraft gewesen, aber die gespeicherten Bilder hätten zum Teil schweren sexuellen Missbrauch dargestellt, und der Angeklagte habe eine hohe kriminelle Energie besessen, weil er seine Spuren im Internet mit einer speziellen Software verwischt habe.

Auslöser der Entscheidung des Angeklagten und seines Anwalts dürfte das Gutachten des Computersachverständigen aus München gewesen sein, den das Gericht auf Bitten des Verteidigers eingeschaltet hat.

Die Polizei hatte die Wohnung des Lehrers im Oktober 2007 durchsucht und zwei Rechner beschlagnahmt. Auf den Rechnern des Lehrers wurden „Thumbs“ gefunden, die der Computer erstellt, wenn sich der Nutzer von gespeicherten Bildern eine Miniaturansicht erstellt.

Verteidiger Sven Schoeller argumentierte während der Hauptverhandlung, dass die Thumbs von Kinderporno-Fotos auch auf die Festplatte gelangen können, ohne dass der Nutzer die illegalen Bilder selbst herunterlädt. Es sei wahrscheinlich, dass sein Mandant keine kinderpornografischen Bilder, sondern ohne eigenes Wissen lediglich die dazugehörigen, für den Laien nicht sichtbaren Thumbs kopiert habe.

Um seine These zu untermauern, hatte Schoeller ein weiteres Gutachten gefordert. Offenbar hat ihm dieses Gutachten aber nicht geholfen. Richter Weddig wollte sich zum genauen Inhalt der Expertise, die den Prozessbeteiligten seit Dienstagabend in schriftlicher Form vorliege, nicht äußern. Er sagte aber, das Gutachten sei „vom Ergebnis her nicht günstig für den Angeklagten“.

Das Amtsgericht hatte den Lehrer zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 50 Euro verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 61-Jährige Bilder, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen, aus dem Internet auf seinen Computer und seinen Laptop heruntergeladen hat. (vn)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.