Fragen und Antworten zur Stromtrasse Suedlink

Suche nach dem Korridor: Tennet-Mitarbeiter geben Auskunft

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Unter der Erde: Rohre, in denen Erdkabel Strom transportieren sollen, wie hier im westfälischen Raesfeld, liegen in mindestens 1,30 Metern Tiefe.

Hersfeld-Rotenburg. Suedlink, die rund 700 Kilometer lange Stromtrasse von Nord- nach Süddeutschland, könnte auch durch unseren Landkreis führen. Mitarbeiter des Netzbetreibers Tennet haben am Mittwoch in Bebra das Projekt vorgestellt.

Mitarbeiter des Netzbetreibers Tennet haben am Mittwoch in Bebra das Projekt vorgestellt. Geplant ist Hochspannungsgleichstrom-Übertragung (HGÜ) durch Erdkabel. Wir sprachen mit den Tennet-Mitarbeitern Thomas Wagner und Paula Walther über das Projekt.

Was ist Suedlink? 

Der Suedlink ist eine geplante Stromtrasse von Wilster in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld in Bayern und von Brunsbüttel nach Großgartach in Baden Württemberg – beides Standorte von Atomkraftwerken, über deren Netze der Strom weiter verteilt werden soll. In Wilster soll die Verknüpfung zu Nordlink entstehen, einer Stromtrasse nach Norwegen. In Brunsbüttel kommt der durch Offshore-Windkraftanlagen (sie stehen im Meer, vor der Küste) erzeugte Strom an. Die Idee hinter dem Südlink ist die Verteilung des aus regenerativen Quellen erzeugten Stroms. Jeweils zwei Gigawatt sollen in Grafenrheinfeld und Großgartach ankommen.

Wie weit sind die Planungen? 

Aktuell ist man in der informellen Vorphase, das heißt, Netzbetreiber Tennet stellt die Pläne Fachbehörden, Kommunen und Bürgern vor, um mögliche Konflikte im Vorfeld zu vermeiden. Führende Behörde für die Umsetzung der Pläne ist die Bundesnetzagentur. Es wurden 1000 Meter breite Erdkabel-Korridorevorgeschlagen. Ein Raumordnungsverfahren hat noch nicht begonnen. Nach der Untersuchung aller möglichen Korridore, wird einer für den Planfeststellungsverfahren ausgewählt. Baubeginn soll 2020 oder 2021 sein, 2025 soll der Suedlink in Betrieb genommen werden.

Erstmal verwirrend: Die pinkfarbenen Linien zeigen mögliche Korridore für die Erdverkabelung, aus denen letztlich ein Korridor ausgewählt werden soll. Es kann auch sein, dass unser Landkreis nur am Rande berührt wird und der Korridor dann überwiegend durch Thüringen führt. Eine Anbindung an Umspannwerke ist nicht geplant.

Was bedeutet Erdverkabelung? 

Jeweils vier Kabelpaare – ein Kabel hat etwa einen Durchmesser von 25 Zentimetern – werden in Gräben im Abstand von fünf bis acht Metern verlegt. Der Abstand zwischen den Paaren wird benötigt, um gegenseitige Beeinflussung durch Wärme zu reduzieren. Denn wo der Strom fließt, entsteht Wärme, sie soll unter 40 Grad liegen. In den Boden sollen ausschließlich Kabel gelegt werden. Sie liegen in mindestens 1,30 Meter Tiefe in einem Sandbett und werden anschließend wieder mit Erdaushub bedeckt. Die Kabelenden werden mit Muffen verbunden. Diese Verbindungsstücke könnten neuralgische Punkte sein. Sie werden per GPS vermessen, damit sie im Falle eines Defektes schnell von Service-Teams erreicht werden können.

Muss immer aufgebaggert werden oder kann man die Kabel auch durch die Erde schieben? 

Die offene Verlegung mit Baggern wird bevorzugt, bei Querungen von Gewässern oder Straßen wird ein geschlossenes System der Verlegung gewählt. Im Wald sollen möglichst keine breiten Schneisen entstehen, deshalb wird bei der Korridorsuche versucht, nur schmale Waldstücke zu berühren. Tiefwurzelnde Bäume dürfen nicht mehr über den Kabeln wachsen. Landwirtschaftliche Nutzung soll aber weiterhin möglich sein.

Wie werden Grundstückseigentümer entschädigt? 

In etwa zwei Jahren, wenn der Korridor endgültig festgelegt wurde, sollen die Grundstückseigner angeschrieben werden. Geplant ist ein Beweissicherungsverfahren, das den Zustand vor der Verkabelung dokumentiert sowie ein Bodenschutzkonzept. Für Schäden und die Dienstbarkeit, also das vorübergehende zur Verfügungstellen der Fläche, sollen Eigentümer eine Entschädigung erhalten. Einzelheiten wurden nicht genannt. Ein Grundstück soll etwa vier Wochen durch die Arbeiten belastet sein. Schon jetzt laufen Gespräche mit Fachverbänden und Behörden, die Bauernverbände sollen ab November hinzugezogen werden.

Was kostet der Suedlink? 

Dazu gibt es laut Tennet zunächst nur einen Schätzwert. Man geht von zehn Milliarden Euro aus. Finanziert wird das Projekt über Netzentgelte, sprich, der Stromkunde zahlt.

Funktioniert die Energieversorgung auch ohne den Bau von großen Stromtrassen? 

Darüber gibt es geteilte Meinungen. Gegner plädieren zum Beispiel für dezentrale, also lokale Stromversorgung. Nach Auskunft von Tennet sind stabile Netze für den Ausbau der regenerativen Energien unersetzlich. Allein im vergangenen Jahr wurde eine Milliarde Euro für die Stabilisierung des aktuellen Netzes ausgegeben, damit jeweils auf Engpässe und Überschuss reagiert werden konnte.

Ist Suedlink eine Strom-Einbahnstraße? 

Nein. Die Trasse soll, einfach gesagt, dazu dienen, je nach Angebot und Bedarf Windstrom in den Süden, Sonnenstrom in den Norden oder, wenn es weder das eine noch das andere in ausreichendem Maße gibt, aus Wasserkraft gewonnen Strom aus Norwegen zu transportieren.

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