Wochenendporträt: Gerda und Martin Jäger aus Berka 

Leidenschaft für Zollstöcke: Die Vielfalt fasziniert

Sammeln in großem Maßstab: Martin und Gerda Jäger aus Berka besitzen rund 9600 Zollstöcke. Darunter befinden sich auch Besonderheiten wie ein Vier-Meter-Stab (auf dem Tisch) sowie Puzzles aus Zollstöcken. Foto: Eisenberg

Berka. Würde man alle Zollstöcke der Familie Jäger ausgeklappt aneinanderlegen, ergäbe das eine Strecke von knapp 20 Kilometern. Auf den Meter genau ausgerechnet hat Gerda Jäger das allerdings noch nicht – geschweige denn ausprobiert.

Etwa 9600 Gliedermaßstäbe – so die offizielle Bezeichnung – haben sich im Laufe der Zeit im Hause Jäger angesammelt. Denn für die Familie aus dem thüringischen Grenzort Berka (Wartburgkreis) handelt es sich dabei um weit mehr als einfache Messinstrumente.

Alles begann vor einigen Jahren, als Sohn Martin von seiner Arbeit bei einem Heringer Dachdeckerbetrieb gelegentlich Zollstöcke als Werbegeschenk von Zulieferern mitbrachte. Zu schade, um sie in der Werkzeugkiste verschwinden zu lassen, befand Vater Dieter. Die Sammelleidenschaft war geweckt. Irgendwann besuchten Dieter und Gerda Jäger auch erste Zollstockbörsen. In Deutschland gibt es eine locker organisierte Sammlerszene. „Das ist ein guter Kontakt untereinander. Es wird viel gefachsimpelt und Blödsinn erzählt“, scherzt die 71-Jährige.

Kuriositäten

Dieter Jäger ist im vergangenen Jahr gestorben, sein außergewöhnliches Hobby wird von Ehefrau und Sohn allerdings weitergeführt. Es sei vor allem die Vielfalt, die den Reiz dieses Hobbys ausmache, erklärt Gerda Jäger. Und die scheint fast keine Grenzen zu kennen: Zollstöcke aus Holz und Plastik, mit Traktoren-, Baumaschinen, oder Feuerwehrmotiven, Ein-, Zwei-, Drei-, oder massive, handgefertigte Vier-Meter-Stöcke. Dazu finden sich in der Sammlung Kuriositäten wie Messstäbe, auf denen alle Fußballweltmeister seit 1945 vermerkt sind oder Zollstöcke, deren bedruckte Rückseiten aneinandergelegt eine Deutschlandkarte oder ein Bild von der Semperoper ergeben.

Besonders gefragt seien unter Sammlern die sogenannten Schwedenmeter, erklärt Martin Jäger: Besonders dünne aber umso robustere Zollstöcke aus nordischer Glasbirke. Dafür würden Preise von 3,50 Euro pro Stück gezahlt, erklärt der 44-Jährige.

Begehrt seien auch Fehldrucke, beispielsweise mit einer falschen Skala auf einem Glied. Schwierig zu bekommen und mit sechs bis sieben Euro deshalb vergleichsweise teuer: Zollstöcke mit den Emblemen der Bundesliga-Mannschaften. „Normale“ Exemplare sind da mit Preisen von etwa einem Euro vergleichsweise erschwinglich. Ohnehin würden doppelte Exemplare unter Sammlern häufig auch getauscht.

Noch sei ein Großteil ihrer Sammlung in Pappkartons verpackt, Gerda und Martin Jäger richten aber derzeit einen Kellerraum für ihr Hobby her. Zudem hat die Rentnerin damit begonnen, ihre Zollstöcke zu katalogisieren. Ach ja: Zum Messen werden die Sammlerstücke ebenfalls verwendet – „allerdings nur die doppelten Exemplare“, betont Martin Jäger.

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