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Kultursommer Nordhessen: Die Liebe en miniature

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Altistin Nicole Dellabona: Eine echte Tieftönerin mit Potenzial für die große Oper.

Rotenburg. Zur Liebe gehört der Sommer. Gar der Kultursommer. Der „Kultursommer Nordhessen“ machte am vergangenen Bilderbuch-Samstagabend noch einmal Station in Rotenburg mit einem bunten Strauß beziehungsweise einer emotionsgesättigten Mischung von Vertonungen nach dem Hohenlied des alttestamentlichen Königs Salomo.

Hier wird die Bibel geradezu anfühlbar menschlich, ach was: erotisch. Und die Musik will da nicht kneifen. Schon das Zitatmotto singt: „Siehe, meine Freundin, du bist schön“. Das Repertoire verlangte Könner am Werk. Wie die drei Gesangssolisten, die sich ihre liebestollen beziehungsweise liebeskranken Auftritte kollegial und feinsinnig aufteilten. Henning Kaiser – der Tenor war in künstlerisch männerdominierten Zeiten natürlich der Hauptmelodieträger – mit leichter, lichter Stimmprägung und gleichermaßen schwebender und beweglicher Stimmführung. Dann Julia von Landsberg – welch ein Name für eine angehende Vokalartistin und zugleich mit ihren blonden Korkenzieherlocken das Ebenbild einer Umschwärmten - mit inniger Sopran-Eleganz die Zierde der Ensembles und die anrührende Solistin in einem der emotional am tiefsten lotenden Stücke: „An die Einsamkeit“ des Nürnbergers Johann Philipp Krieger, gestellt auf den so genannten Lamento-Bass, eine stets wiederholte absteigende Viertonfolge. Schließlich Nicole Dellabona - noch so ein schöner Name, diesmal für eine Altistin, eine echte Tieftönerin mit Potenzial für die große Oper (vgl. Nathalie Stutzmann oder Sara Mingardo), die aber ihre Stimme mühelos dem leichten barocken Linienfluss angleichen kann.

Sechsmal, darunter bei Hans Leo Hassler zu Beginn und Melchior Franck am Ende, war die Melsunger Musikantengilde beteiligt. Rhythmisch federnd und inspirierend angeleitet von Eva Gerlach, setzte sie der Programmfolge jeweils die gehaltvolle Klangkrone auf.

Geigender Schatzsucher

Henning Vater, der geigende Schatzsucher aus Göttingen, hatte mit Katharina Arendt-Bock (Violine), Gregor du Buclet (Viola), Lucile Chaubard (Violoncello) und Barbara Messmer (Viola da gamba) wieder für eine aparte Streicherumgebung gesorgt. Kleine solistische Glanzlichter, aber umso intensiver leuchtende, steuerten Christian Zierenberg mit einer Cembalo-Miniatur von William Byrd und der hoch renommierte Lautenist Michael Freimuth mit einer Fantasie von John Dowland bei. Reichhaltiger Applaus aus dem fast voll besetzten Parkett der Jakobikirche. DAS REPERTOIRE

Von Siegfried Weyh

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