Landwirte kritisieren: Unterstützung beseitigt Ursache der Krise nicht

Milchbauern im Kreis erhalten 311.300 Euro Soforthilfe

Hersfeld-Rotenburg. Um finanzielle Engpässe durch den niedrigen Milchpreis zu überbrücken, erhalten die Landwirte im Kreis insgesamt 311.300 Euro Soforthilfe. Dieser Betrag wird auf 394 Betriebe aufgeteilt – was einem Durchschnitt von 790 Euro pro Betrieb entspricht.

Diese Zahlen nannte Landkreissprecher Dirk Herrmann. Der Fachdienst Ländlicher Raum hat die EU-Sonderzahlungen für die Betriebe berechnet, geprüft und bewilligt. Pro Hektar Grünland werden 25,76 Euro ausgezahlt. Beim einzelnen Landwirt komme von den Hilfen kaum etwas an, kritisiert Kreislandwirt Horst Taube. „Das Geld reicht noch nicht einmal, um den Lehrling zu bezahlen“, verdeutlicht der Landwirt aus dem Bebraer Stadtteil Blankenheim. Zudem ändere sich nichts am Grundproblem, ergänzt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Friedhelm Diegel: „Das einzige, was hilft, ist ein vernünftiger Milchpreis“, betont der Landwirt aus dem Alheimer Ortsteil Erdpenhausen. Diegel und Taube sehen die Bauern der Marktmacht der Konzerne ausgeliefert. Nach Ansicht von Klaus Vetter, Milchbauer aus Breitenbach/H. und Mitglied im Landesvorstand des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), helfen die Sonderzahlungen, ebenso wie ein Zuschuss zu den Berufsgenossenschafts-Beiträgen, nur kurzfristig die Liqidität der Bauern zu sichern. Ein Schritt in die richtige Richtung sei die freiwillige Mengenreduzierung: Ab Oktober erhalten Landwirte vorerst bis Jahresende für jeden im Vergleich zum Vorjahr nicht gelieferten Liter Milch 14 Cent. Vetter befürchtet aber, dass das vor allem Bauern nutzen, die ohnehin aufhören wollen, während insbesondere Großbetriebe die Menge nicht reduzieren. Nachhaltiger wäre seiner Ansicht nach eine vorübergehende Reduzierung der gesamten Milchmenge, sobald die Preise um einen bestimmten Wert absinken.

 

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Rubriklistenbild: © dpa

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