Aufwachen auf nassen Schafsfellen

Mittelaltermarkt auf der Tannenburg: Festival ohne Zeitdruck

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Buntes Mittelalter: Landsknechte Dwyn, Rutger, Mira und Hannes, von links, spazieren durchs Zeltlager der Mittelalterfans.

Nentershausen. Einige hundert Mittelalterfans, die über das Wochenende in weißen Leinenzelten am Fuße der Nentershäuser Tannenburg campierten, sahen sich der vollen Härte des Regenwetters ausgesetzt.

Vielen tropfte nach das Wasser auf den Schlafplatz. Als am Sonntag dann aber die Besucher zum großen Mittelalterfest kamen, schien die Sonne auf Burg und Lager.

Altes Handwerk: Timo Sust (links) stellte in Nentershausen Kerzen aus Bienenwachs her.

Einer, der morgens auf nassen Schafsfellen erwachte, war der Lauterbacher Timo Sust, Mittelaltername: Florian von Söflingen. Während auf dem Burggelände das Markttreiben stattfand, während dort Gaukler Späße trieben, Ritter vor großem Publikum Kämpfe ausfochten und Kinder sich am Bogen übten, war der 30-Jährige in seiner kleinen Zeltmanufaktur auf der großen Wiese des Lagers unterhalb der Burg tätig.

Vor einigen Jahren habe ihn das Mittelalterfieber gepackt, berichtet der gelernte Elektriker. Dass es im Mittelalter keine Uhren und auf den Festivals keinen Zeitdruck gebe, empfindet er als beruhigend. Und ihn faszinieren die alten Handwerkstechniken. Eine davon hat er sich angeeignet: das Herstellen von Kerzen.

Unter dem Leinendach unterhält Sust ein kleines Feuer, darüber hängt ein Kupfertopf mit Wasser, darin ein kleinerer Tontopf mit geschmolzenem, duftendem Bienenwachs. Hiermit veredelt Sust Kerzenrohlinge, die er zu Hause in eine Form gegossen hat. An einer Holzkonstruktion baumeln daneben dünne, eigenhändig gezogene Kerzen. Reines Bienenwachs bestellt Sust im Internet und verwendet es weiter. Viel Arbeit mache das, und entsprechend sind die Kerzen nicht ganz billig. Aber wenn man alles zusammenzähle, sagt Sust und lacht, lege er hinterher sowieso drauf.

Gemogelt beim Zelt

Wichtig ist ihm, dass Kleidung und Ausstattung den Mitteln des 13. Jahrhunderts entsprechen, der Zeit, aus der die Kunstfigur Florian von Söflingen stammt. Sust trägt Lederschuhe mit einer hölzernen Sohle und ein Gewand aus Leinen und Wolle. Bei seinem Zelt hat er gemogelt und Baumwolle verwendet, die damals in Europa nicht benutzt wurde. Ein Leinenzelt, sagt er, hätte den Regen womöglich besser abgehalten.

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