Neue Töne für die Chöre beim Sängerkreis Alheimer

Mit genauem Blick aufs Notenblatt und Lehrchorleiter Jürgen Faßbender im Augenwinkel: Hochkonzentriert verfolgen die Teilnehmer des vom Sängerkreis Alheimer initiierten Chorleiter- und Chorhelfer-Workshops, auf was man achten muss, wenn man gut und glaubwürdig übermitteln will, dass eine neue Liebe wie ein neues Leben ist. Foto: Apel

Iba.Der Sängerkreis Alheimer des Mitteldeutschen Sängerbundes hat Chorleiter und Chorhelfer zu einem Workshop eingeladen, um neue Töne einzuüben.

„Wie war das noch gestern, wer waaar ich noch gestern, die Antwort weißt nur du, weißt nur duuu“, tönt es fast schon in Jürgen-Marcus-Manier durch den Saal des Ibaer Gasthauses Däche. Einübmeister ist kein Geringerer als der in Fachkreisen hochgeschätzte Musikpädagoge Jürgen Faßbender aus dem singenden Limburger Stadtteil Lindenholzhausen. Sein um die halbe Welt reichender Ruf hat rund 100 Sängerinnen und Sänger angelockt. Sie wollen Neues für sich entdecken und mit frisch angeeignetem Liedgut gut motiviert dafür sorgen, dass sich das Repertoire ihrer Chöre verbreitert und dass sich deren Niveau in neue Höhen schwingt. Das scheint angebracht, wenn man sich die Krise der Männerchöre und das Nachwuchsproblem bei so manchem Gemischten Chor vor Augen hält.

Sieben-Neuntel-Akkord

In großem Halbrund um den am Klavier den Ton angebenden Lehrchorleiter nehmen sie mit Interesse auf, wie der 2012 in den Weltchorrat Berufene von einem Sieben-Neuntel-Akkord und davon, dass der Bass das Fundament dieses Akkordes ist, spricht - wie er auf eine vermeintliche Selbstverständlichkeit hinweist: „Wichtig ist die Reihenfolge, in der sich die Töne ändern.“

Dann werden die Bass-Stimmen aufgefordert sich zu erheben und zusammen mit Tenor-, Alt- und Sopran-Stimmen legt die Hundertschaft los: „Wie waaar das noch gestern?“ Es haut hin und der gut aufgelegte Workshop-Leiter witzelt: „Ja ja, der Rückblick auf die glorreichen Jahre!“ Mit pädagogischem Gespür und geschickt platziertem Lob versucht er, das Eigentliche herauszukitzeln: „Das Ganze muss sich in Euch abspielen, es muss mehr zum Ausdruck kommen als nur der richtige Ton!“

Das sieht auch Otto Buchenau aus Bebra so, der mit seinen 85 Jahren der älteste Teilnehmer ist. Er findet es gut, dass Faßbender so genau agiert und dass es trotzdem Spaß macht. Das gilt auch für das nächste Lied, von dem nach und nach die wichtigsten Sequenzen eingeübt werden: „Du bist so heiß wie ein Vulkan, wuhuuu aaaha aaaha!“ Der Mittelhesse hält dazu an, auf Buchstaben und Pausen zu achten, und er beschreibt, wie sich ein Chor rhythmisch hochkomplex bewegen kann, ja um des Publikums willen sogar bewegen sollte.

Dann endlich: Als immer mehr Sangeslustige mit den Fußspitzen wippen, es kaum noch aushalten, wird losgelegt und an den „richtigen“ Stellen mit den Fingerspitzen geschnippt: „Tanze Samba mit mir, Samba, Samba die ganze Nacht!“ - „Na bitte, klappt doch!“, sagt ein sichtlich zufriedener Lehrchorleiter.

Von Wilfried Apel

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