Drei Stimmen für einen Verbleib in der Europäischen Union

Briten aus Hersfeld-Rotenburg sagen nein zum Brexit

Hersfeld-Rotenburg. Am Donnerstag entscheidet sich, ob Großbritannien Teil der Europäischen Union (EU) bleibt oder nicht. Wir haben Briten, die aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg stammen oder in der Region wohnen zum Thema Brexit (ein Kunstwort, das sich aus den Worten „Britain“ und „Exit“ zusammensetzt) befragt.

Unsere Experten sind der Schauspieler Peter Becker, der Archivar Michael Gunton, der für das Referendum auch abstimmungsberechtigt ist, und Raymond King, Lehrer an der Gesamtschule Geistal und der MSO in Bad Hersfeld.

Ausstieg: Pro und Contra

Raymond King, Lehrer an der Obersbergschule. 

Gegner und Befürworter des Brexit führen überwiegend wirtschaftliche Vor- und Nachteile an. Lehrer Raymond King sagt dazu: „Die Vorteile eines Austritts sind, dass die Bevormundung durch Brüssel wegfällt und es britische Gesetze für britische Bürger gibt. Die Nachteile sind zu viele, um sie alle zu benennen. Zum einen wird die Wirtschaft betroffen sein. Vor allem aber ist die EU Frieden und das sollte man nicht unterschätzen. Großbritannien ist eben eine Insel und so sieht man nicht die Vorteile der offenen Grenzen, sondern leider nur die Nachteile.“

Auch Michael Gunton und Schauspieler Peter Becker sehen in dem Austritt wenig Vorteile und denken, dass die Befürworter nicht realisieren, dass sie weiterhin an vielerlei Pflichten gebunden wären, sollten sie an Handelsbeziehungen mit der Europäischen Gemeinschaft interessiert sein.

Commonwealth-Staaten

Bei dem Referendum sind auch Staatsangehörige der Commonwealth-Staaten, also aus Malta, Irland oder Zypern, abstimmungsberechtigt, sofern sie ihren dauerhaften Wohnsitz im Vereinigten Königreich haben. Dieses Thema ist umstritten, jedoch sind alle drei Befragen der Meinung, dass jeder Steuerzahler in Großbritannien eine Stimme haben sollte.

Das Attentat auf Jo Cox

Michael Gunton, Archivar aus Portsmouth, der als Schüler in Bad Hersfeld war.

Am 16. Juni wurde die britische Parlamentsabgeordnete Jo Cox, die eine bekennende Brexit-Gegnerin war, in der Nähe von Leeds auf offener Straße erschossen. Die Motive des 52-jährigen Täters sind bisher noch nicht vollständig geklärt. Ein politischer Grund wird nicht ausgeschlossen. Auf die Frage, wie das Attentat die Abstimmung am Donnerstag beeinflussen könnte, sagt Peter Becker: „Ich glaube, das Attentat auf Jo Cox wird enormen Einfluss auf die Wahlentscheidung der Briten haben. Die Diskussion bezüglich Verbleib oder Austritt wurde seitens Politik und Medien fast ausschließlich emotional geführt und hat zu Überspitzungen und Behauptungen geführt, die mittlerweile selbst Anhängern des Brexit-Lagers zu weit gehen. In England wird freie Meinungsäußerung zwar hoch geschätzt, die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen wiegen aber schwerer. Der Eindruck ist entstanden, dass die nationalistisch geprägte Agitation der Austrittswilligen Mitschuld an der Fanatisierung des Attentäters hatte.“

Raymond King hofft, dass es dazu führt, dass nun mehr Leute ihre Stimme abgeben und Michael Gunton hat festgestellt, dass seit dem Mord an Jo Cox eine andere Stimmung herrscht.

Ausgang ungewiss

Schauspieler Peter Becker, geboren in Bad Hersfeld und aufgewachsen in England.

Alle drei sind gegen einen Austritt Großbritanniens aus der EU, jedoch unsicher, wie das Referendums ausgehen wird. Peter Becker ist überzeugt, dass sich die Briten für einen Verbleib aussprechen werden, Michael Gunton hofft auf ein klares Ergebnis und Raymond King befürchtet, dass unter anderem die deutsche Dominanz in der EU die Wähler zu einem Votum für den Austritt führen wird. (mad)

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Rubriklistenbild: © AFP

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