Sanierung für 80.000 Euro

Schildbürgerstreich in Hersfeld: Backhaus ohne Ofen

Ein Backhaus, das keines mehr ist: Für rund 80.000 Euro wird in Asbach lediglich eine Hülle hergestellt, einen Ofen wird es hier nicht geben. Im Eingangsbereich sind die einzigen vier alten Balken zu erkennen, die beim Wiederaufbau noch verwendet werden konnten. Foto: Schönholtz

Asbach. Im Bad Hersfelder Stadtteil Asbach ist ein Schildbürgerstreich zu bewundern: Ein Backhaus wurde teuer saniert - jedoch ohne Ofen.

Für 80.000 Euro wurde das historische Backhaus in der Ringstraße aufwendig saniert, doch für einen neuen Ofen (Kosten: bis zu 50.000 Euro) reichte es am Ende nicht mehr. Jetzt soll die leere Fachwerkhülle als Lagerschuppen genutzt werden.

Das liest sich wie ein Schildbürgerstreich. Was ist denn hier schief gegangen? 

Nach der guten Absicht eigentlich alles. 2011 zum Start der Dorfentwicklung in den drei Stadtteilen Asbach, Beiershausen und Kohlhausen (Asbeko) bestand die Erwartung, hier ein vergleichsweise kleines Projekt schnell verwirklichen zu können. Doch dann war die Bausubstanz viel, viel schlechter als gedacht, und die Kosten liefen davon – von 40.000 Euro auf das Doppelte.

Hätte man das Bauprojekt denn nicht noch stoppen können? 

Jein. Da sich das Ausmaß des Schreckens erst nach und nach herausstellte und gleichzeitig schon die Förderanträge gestellt waren, war der Zug bereits abgefahren – es sei denn, man hätte 70 Prozent Landesmittel in den Wind schreiben wollen. Die Entscheidung der Bürger, auf den Einbau eines Ofens zu verzichten und die Entscheidung der Denkmalpflege, zumindest die Hülle zu erhalten, haben sich überschnitten.

Ist das Asbacher Backhaus denn wirklich so erhaltenswert gewesen? 

Auch darauf gibt es keine einfache Antwort. 1867 gab es im Dorf sogar drei Backhäuser, das in der Ringstraße ist das älteste. Beim Komplettabbau musste man jetzt allerdings erkennen, dass nur noch vier Balken für den Wiederaufbau verwendet werden konnten. Der Rest sieht also nur noch so aus wie das Original, ist aber in Wirklichkeit neu – ein potemkinsches Backhaus, wenn man so will,

Wer ist denn nun schuld an der Misere? 

Vielleicht alle ein bisschen und keiner so richtig. Ob der Arbeitskreis Dorfentwicklung oder der Ortsbeirat angesichts wachsender Probleme zu unentschlossen waren, ob Planer Hartmut Kind vom Büro SP Plus aus Bad Nauheim bei den Voruntersuchungen nicht genau genug hingeschaut hat oder ob der städtische Denkmalpfleger Johannes van Horrick nicht zu sehr auf dem Erhalt des Gebäudes beharrt hat, darüber lässt sich diskutieren.

Auf jeden Fall ist das Asbacher Backhaus das beste Beispiel dafür, wie gut gemeinte Dorfentwicklung grandios in die Hose gehen kann.

Und was passiert jetzt mit dem extra gegründeten Backhausverein? 

Der kann möglicherweise an der Mehrzweckhalle backen. Bei den dort geplanten An- und Umbauten ist auch ein Teigvorbereitungsraum vorgesehen, und ein kleiner Backofen könnte im Außenbereich aufgestellt werden.

Gebacken wird im Backhaus also nicht. Aber was wird jetzt dort untergestellt? 

Alles Mögliche von Vereinen und Ortsbeirat sowie die Geräte von der Arbeitskraft, die sich um Sauberkeit im Ort kümmert. Es gibt also einen gewissen Bedarf für den teuersten Geräteschuppen Hessens.

Was bedeutet das Backhaus-Fiasko für die Asbacher Dorfentwicklung im Ganzen? 

Dass für andere Vorhaben jetzt weniger Geld zur Verfügung steht. Insbesondere beim dringend benötigten Anbau an die Mehrzweckhalle wird es nun eng. Dort soll die neue Mensa für die Grundschule entstehen.

Von Karl Schönholtz

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.