63-Jährige arbeitete 48 Jahre in ihrem Beruf

Ronshausens Verkehrsamtsleiterin Martha Richardt ist im Ruhestand

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Seit gestern nicht mehr in ihrem (Bürgermeister-) Amt: Martha Richardt, Leiterin des Ronshäuser Verkehrsamtes, ist nach 48 Jahren nun in ihren verdienten Ruhestand gegangen. 

Ronshausen. „Menschen werden in der Regel ganz besonders in der Lehrzeit für das berufliche Leben geprägt", sagt Martha Richardt. So sei es auch bei ihr gewesen. Das war vor 48 Jahren.

Seit heute ist die Ronshäuser Verkehrsamtsleiterin nun im Ruhestand.

An ihre Anfangszeit denkt sie gerne zurück - obwohl der Büroleiter streng war. Aber da gab es ja noch Elfriede Tann, später Fromm. „Sie hat mir als 15-Jährige beigebracht, wie man mit Bürgern, Gästen, Quartier- und Gastwirten umzugehen hat“, sagt die heute 63-Jährige. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit seien ihr als Grundlagen für eine gute Arbeit in der Verwaltung und ganz besonders im Fremdenverkehrsbereich vermittelt worden.

Mit dem Gemeindefahrrad

Die Gäste mussten gerecht verteilt werden - Bevorzugungen gab es nicht - und das geschah damals noch auf einem Holzbrett mit Millimeterpapier. Mit dem Gemeindefahrrad ging es dann zu allen privaten Vermietern und Gastwirten im Dorf. Gleichzeitig wurde auch noch die Gemeindepost verteilt. „Manchmal ertappe ich mich auch heute noch, wenn ich sage: Ich lege die Post in das Ortsdienerkästchen“, berichtet Martha Richardt und schmunzelt.

In den Ferienzeiten alle 14 Tage über 300 Gäste in Ronshausen unterzubringen, sei oftmals eine Kunst gewesen, für die es Ausdauer gebraucht habe. „Einen pünktlichen Feierabend gab es nicht - Feierabend war erst, wenn alle Feriengäste gut unter waren“, erinnert sich Richardt. Als Elfriede Tann nach ihrem ersten Lehrjahr geheiratet und zu arbeiten aufgehört hatte, lag die ganze Verantwortung bei Martha Richardt.

Aber sie habe die Arbeit gerne gemacht und sie geliebt - so wie das ganze Bürgermeisteramt. „Es war für mich etwas Besonderes, dort arbeiten zu dürfen - und für die Ronshäuser war ich die Martha vom Bürgermeisteramt“, sagt sie.

Die Liebe zur Natur und zur Schaffung von Erholungswerten und deren Erhaltung habe ihr der damalige Grundschul-Rektor Heinz Straube mit auf den Weg gegeben, der auch Kulturreferent des Heimat- und Verkehrsvereins war.

Von Ronshausens Schönheit überzeugt

Als Ronshausen Mitglied im Fremdenverkehrsverband Waldhessen wurde, habe eine neue, aufregende Zeit für sie begonnen. Bei Messefahrten galt: „Unser Vorteil war, dass wir von der Schönheit Ronshausens überzeugt waren und dies konnten wir dann auch verkaufen“, sagt die gebürtige Ronshäuserin. Das Herzblut für den Beruf sei von ihr gekommen „aber das war ja auch mein Job und dafür werde ich bezahlt“, erklärt sie. In den Vordergrund drängen - das war ihre Sache aber nicht: „Alleine, ohne die Unterstützung von den vielen anderen, wäre vieles ja auch nicht möglich gewesen.“ Stolz ist sie darauf, dass sie als Standesbeamtin über 400 Trauungen halten durfte. „Von denen werde ich sehr viele schöne in Erinnerung behalten“, sagt sie. Als zweites Lieblingskind neben dem Standesamt nennt sie die Gemeindebücherei, die sie im Haus des Gastes neu mit aufbaute.

Am meisten vermissen werde sie aber sicher die persönlichen Kontakte, die Vertrauensverhältnisse und die Hilfsbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen. Auch Bürgermeister Markus Becker ist traurig, dass sie nun fehlen wird. „Wer verliert schon gerne eine so engagierte Mitarbeiterin“, sagt der Ronshäuser Verwaltungschef.

Zur Person

Martha Richardt wurde 1953 in Ronshausen geboren. Seit 1972 ist sie verheiratet mit ihrem Mann Ernst. Gemeinsam haben sie eine Tochter, die mit ihrer Familie in New York lebt. Tochter, Schwiegersohn und die drei Enkelkinder verbringen den Sommer meist zusammen mit ihr und ihrem Mann in Deutschland. 1968 begann Martha Richardt ihre Ausbildung zur Verwaltungsangestellten bei der Gemeinde Ronshausen, 1980 wurde sie Verkehrsamtsleiterin, 1985 Leiterin des Standesamtes Ronshausen.

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