Hessisches Pilotprojekt funktioniert

Zwischenbilanz: Algen säubern in Rotenburger Kläranlage Abwasser

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Mikroalgen-Projekt an der Kläranlage in Rotenburg zeigt Erfolg: Darüber freuen sich (von links) Tatjana Wawilow (wissenschaftliche Mitarbeiterin THM), Dr. Claudia Thomsen (Phytolutions), Prof. Ulf Theilen (THM), Andreas Gräfe (Umweltminister), Otto Vicum (RP Kassel) und Stephan Heckeroth (Betriebsleiter Stadtwerke).

Rotenburg. Es funktioniert, die Algen machen ihren Job: Das ist die erfreuliche Zwischenbilanz des hessischen Pilotprojekts in der Rotenburger Kläranlage, bei dem Mikroalgen die Phosphatkonzentration im Abwasser senken sollen.

„Das Ziel ist absolut erreicht worden, die Alltagstauglichkeit damit bewiesen“, sagt Prof. Dr. Ulf Theilen von der Technischen Hochschule Mittelhessen. Er betreut das im Juni 2015 angelaufene Forschungsprojekt.

Keine Chemikalien mehr

In den täglich genommenen Wasserproben seien Phosphate kaum noch nachweisbar. Ein Bonus: Auch Stickstoff sei weniger geworden. Theilens Meinung nach ist es durchaus realistisch, dass in der Rotenburger Kläranlage in Zukunft wenige bis gar keine Fällmittel mehr eingesetzt werden müssen. Fällmittel sind Chemikalien, die das Abwasser reinigen, damit es anschließend direkt in die Fulda geleitet werden kann. Dass das Pilotprojekt so gut funktioniert, sei gut für den Gewässerschutz, erklärt Dr. Claudia Thomson von Phytholutions. Das Bremer Unternehmen ist für die Umsetzung des Projekts zuständig. 

Doch nicht nur die Gewässer hätten etwas davon: „Wir müssten weniger Chemikalien kaufen. Unser Etat könnte entlastet werden“, sagt Stephan Heckeroth, Betriebsleiter der Stadtwerke Rotenburg. Laut Thomson hat aber nicht gleich alles auf Knopfdruck geklappt. Im Winter haben niedrige Temperaturen für Schwankungen bei der Algenaktivität gesorgt. Anpassungen mussten vorgenommen werden. Außerdem habe sich gezeigt, dass das für die Versuchsreihe genutzte Abwasser des Nachklärbeckens (bereits mit Chemikalien gereinigtes Wasser) zu sauber für die Algen war. Für die Wissenschaftler kein Problem: Nährstoffe wurden als Algen-Nahrung hinzugegeben und damit die Ausgangssituation (Abwasser ohne vorherige Reinigung) simuliert – mit Erfolg.

Großanlage mit Algen-Filter

Als nächstes wird überprüft, wie viel Abwasser eine Algen-Anlage überhaupt fähig wäre zu reinigen – um eventuell solche Großanlagen zu bauen. Außerdem belasten auch Reste von Medikamenten und Schwermetallen, die beim Toilettengang ins Abwasser gelangen, die Gewässer. Wie Algen diese Stoffe verarbeiten, soll nun im Labor untersucht werden.

Ein Augenmerk haben die Forscher auch auf die Algen-Biomasse gelegt: Aus den durch eine Membran getrennten Algenresten könnte Energie gewonnen werden. Noch bis Ende Mai 2017 läuft das Pilotprojekt. Von den Ergebnissen könnten fast alle Kläranlagen in den Kommunen profitieren. Deshalb steuert das Land Hessen auch 527.000 Euro dazu bei, die Stadtwerke Rotenburg sind mit 93.000 Euro dabei.

Pilotprojekt mit Mikroalgen

Auf 200 Quadratmetern des Stadtwerke-Grundstücks wurden Plastikbeutel an Alugestängen angebracht. In den Beuteln befinden sich Mikroalgen und Wasser aus dem Nachklärbecken (hellgrünes Gemisch auf dem Foto). Die Algen nehmen das Phosphat im Wasser durch Fotosynthese auf. Wenn sie gesättigt sind, sinken sie hinab und werden später als Biomasse verwendet. Das so gereinigte Abwasser wird entnommen. Es fließt derzeit zurück ins Nachklärbecken, soll nach der erfolgreichen Versuchsphase aber direkt in die Fulda geleitet werden können.

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