Aussitzen geht nicht: Kreissynode befasste sich mit Zukunft der Kirche

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Konzentrierte Zuhörer: Die Synodalen lauschten den Ausführungen von Dekanin Gisela Strohriegl (im Vordergrund).

Bebra. Wie geht es mit den evangelischen Kirchengemeinden und dem Kirchenkreis Rotenburg weiter? Mit durchaus unangenehmen Fragen sahen sich die Kreissynodalen am Freitag im Bebraer Gemeindehaus konfrontiert.

Die wichtigste Frage des Abends: Wie müssen die Strukturen angesichts des demographischen Wandels und der Kirchenaustritte in den nächsten zehn Jahren angepasst werden? 

Wolfgang Kallies

Knapp 100 Minuten lang präsentierten den Kreissynodalen der Geschäftsführer des Begleitausschusses des von der Landeskirche angestoßenen Reformprozesses, Pfarrer Wolfgang Kallies, und Dekanin Gisela Strohriegl ganz detailliert „Zumutungen“ (Kallies) negativer, aber auch positiver Art: All das, was nach 125 Treffen und umfangreichen Beratungs- und Beschlussrunden von der Landessynode abgesegnet und zur Umsetzung an das Landeskirchenamt sowie an die mittlere und untere Ebene weitergereicht worden ist.

Bereits Vollzug melden konnte die Chefin des Kirchenkreises, was den Handlungsbedarf bei den Gemeindehäusern anbelangt. Die Zahl der Gemeindeglieder wird nach neuesten Berechnungen von 28.153 im Jahr 2014 auf 23.131 im Jahr 2027 zurückgehen.

Mit Blick auf die Reduzierung der Pfarrstellen sah Kallies die eigentliche Herausforderung darin, dass es schon bald nicht mehr genügend theologischen Nachwuchs geben werde, der die in Pension gehenden, geburtenstarken Pfarrerjahrgänge ersetzen könne. Uwe Wendel aus Rotenburg kritisierte den Stellenabbau gleichwohl und fragte: „Was tut die Kirche dagegen, dass die Zahl der Gemeindeglieder abnimmt?“ Kallies: „Wir alle sind Kirche - aufgefordert, über alte Strukturen hinaus neu zu denken!“

Bezüglich der schon bald von den Kirchenkreisen vorzunehmenden Bildung von „Kooperationsräumen“ und „Pfarrstellenpools“ verwies Strohriegl auf die bereits bestehenden Regionen Rotenburg, Bebra/Ronshausen sowie Wildeck/Nentershausen/Cornberg und auf die Fusion mit dem Kirchenkreis Hersfeld bis 2020. Dass „Verwaltungsassistenzstellen“ eingerichtet werden sollen, bezeichnete sie in jeder Hinsicht als gut: „Da kommt mehr Geld in die Gemeinden!“ Das Gleiche gelte für die beschlossene Verstärkung der Kinder- und Jugendarbeit.

Letztendlich war für alle Kreissynodalen ersichtlich, „dass Aussitzen nicht geht und dass bis 2018 ganz viele Weichen gestellt werden müssen“ (Kallies), oder wie Präses Reinhard Kerst feststellte: „Die Weiterentwicklung der Volkskirche geht uns allen unter die Haut, aber wir müssen Spielräume ausloten, um Gemeindearbeit weiterhin sinnvoll gestalten zu können!“

Von Wilfried Apel

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