Firma feierte 80-jähriges Bestehen

Blick hinter die Werkstore: Neumayer Tekfor zeigte in Rotenburg Produktionsstätte

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Ohrenbetäubend laute Maschine: Rosi Ludolph und ihre Enkel Paul und Konrad, rechts, bestaunen eine Presse, die von Vorarbeiter Thilo Hanstein überwacht wird. 

Rotenburg. Für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen spannend war am Samstag der Rundgang durch die Produktionshallen. 

Mit einem Tag der offenen Tür feierte die Neumayer Tekfor GmbH, ehemals Rotenburger Metallwerke, ihr 80-jähriges Bestehen in Rotenburg.

High-Tech für Luxusautos: Produktionsleiter Erik Dänner mit einem sogenannten Wank-Stabilisator. Viele Einzelteile für dieses Produkt werden in Rotenburg gefertigt.

Besucher erlebten hier mit, wie lärmende Maschinen mit tonnenschwerer Kraft Stahlteile verformen und in schnellem Takt ausspucken. Dank ausgestellter Teile und der Erklärungen von Mitarbeitern konnten die Gäste nachvollziehen, wie aus einem Stahlrohling in mehreren Schritten nach und nach ein Bauelement entsteht, das in einem Auto verbaut werden kann. Besonders großes Interesse fand der sogenannte Wank-Stabilisator, dessen Einzelteile in Rotenburg gefertigt werden, und der in hochpreisigen Autos wie Bentley oder Porsche verbaut wird. Maschinenbau-Ingenieur Rainer Stückrad erklärte die Funktionsweise des länglichen Kolbens, der im hinteren Fahrwerk sitzt und mithilfe zweier drehbarer Arme die Karosserie in der Kurve und in unebenem Gelände geradestellt. Die zugehörigen Autos bewunderten die Besucher beim Rundgang ebenfalls.

Besuch an alter Wirkungsstätte: Manfred Wassermeyer (Mitte) zeigte seiner Wnkelin Leonie Gunkel seinen früheren Arbeitsplatz. Entwickler Eugen Wingerter erklärte verschiedene Bauteile.

Unter den Gästen waren auch viele ehemalige Mitarbeiter wie Manfred Wassermeyer, der seiner Enkelin Leonie das Werk zeigte. Wassermeyer war früher in der Zerspanungstechnik tätig, wo die umgeformten Teile nachbearbeitet werden. Er sei froh zu wissen, dass es der Firma wieder gut gehe, sagte er. Neben Kinderbelustigung und dem Rundgang durch den Produktions- und den Ausbildungsbereich hatten die Organisatoren auch eine Ausstellung über die Geschichte des Betriebs für die Besucher vorbereitet.

Schon länger Stahlbau in Rotenburg

Bei Neumayer Tekfor hat man die Gründung der Rotenburger Metallwerke 1936 als „Geburtstag“ des Werks gewählt. Allerdings gab es Stahlbau schon früher in Rotenburg.

1912 gründete Anatole Gobiet zusammen mit seinem Bruder Egon die elektrotechnische Fabrik Rotenburg, die bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung 250 Mitarbeiter beschäftigte. Das Werk war sehr erfolgreich, dennoch litt der Unternehmer Behördenwillkür. Man verweigerte ihm zum Beispiel den nötigen Gleisanschluss, heißt es in den Berichten des früheren HNA-Redaktionsleiters Willi Ludwig.

1928 wurde die Gesellschaft aufgelöst, Gobiet gründet aber noch im selben Jahr eine Stahlbaugesellschaft . Die Probleme mit Behörden blieben und wurden mit Beginn des Nazi-Regimes schlimmer. Gobiet kam sogar in „Schutzhaft“.

1934 wurden die Fabrikanlagen versteigert. Gobiet zog nach Prag und kehrte 1945 nach Kassel zurück, wo er bereits früher weitere Werke hatte und von wo aus er das Rotenburger Werk aufgebaut hatte. (sis)

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