Vom Bypass zum Kunstherz: Neue Aufgaben für Chirurgen am HKZ

So sieht eine Aortenklappe aus: Chefarzt PD Dr. Ardawan Rastan mit einer biologischen Herzklappe von Rind oder Schwein. Sie wird zusammengefaltet und über einen Katheter in das Herz des Patienten eingesetzt. Foto: Wilutzky/nh

Rotenburg. Seit 25 Jahren gibt es am Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg eine Herz- und Gefäßchirurgie. Laut Rangliste des Magazins Focus gehört sie zu den deutschen Top-Herzzentren.

„Die Herzchirurgie ist eines der sich am stärksten wandelnden medizinischen Fachgebiete“, sagt Dr. Ardawan Rastan. Der Privatdozent ist seit zwei Jahren Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg (HKZ). Seine Aufgabe ist es, die renommierte Abteilung, die sein Chefarztvorgänger PD Dr. Hartmut Oster aufgebaut hat, weiterzuentwickeln.

Die Herzchirurgie besteht nun schon seit einem Vierteljahrhundert. Sie hat ihren Ruf gefestigt, und es sind neue Behandlungsformen hinzugekommen. Bei den Bypässen, von denen jährlich etwa 500 gelegt werden, ist am HKZ die Mammaria-Chirurgie Standard. Hinzu kommen Eingriffe, bei denen die Herzklappen ersetzt werden.

Gerade für ältere und Risikopatienten zahlt sich dabei laut Rastan der moderne Hybrid-Operationssaal aus, den das HKZ seit 2010 betreibt. Dort arbeiten Chirurgen und Kardiologen direkt zusammen. Ein Röntgengerät liefert jederzeit aktuelle dreidimensionale Bilder aus dem Brustkorb des Patienten.

So können auch schwierige Eingriffe wie der Ersatz einer Aortenklappe per Katheter vorgenommen werden. Sogar die Mitralklappe, die zwischen Vorhof und Herzkammer liegt, kann minimal-invasiv ersetzt werden. „Das bedeutet weniger Komplikationen, unsere Patienten sind schneller wieder fit, und die kleinen Schnitte sehen auch besser aus“, sagt Rastan.

Letzte Überlebenschance 

Zu den neuen Aufgabenfeldern, die sich die Herzchirurgie des HKZ eröffnet hat, gehört seit zwei Jahren die Implantation eines Kunstherzsystems. Gerade für Patienten über 65 Jahren, die keine Aussichten auf ein Spenderherz mehr haben, ist diese eingesetzte Pumpe die letzte Überlebenschance, wenn das Herz den Körper nicht mehr versorgen kann. „Das ist schon toll, dass es heute eine Chance für sie gibt“, sagt Rastan.

Er sieht in diesem Bereich noch großes Potenzial, da auch die technische Entwicklung immer weiter voranschreitet: „Die Zahl der Menschen mit Herzschwäche nimmt zu, und geeignet ist so ein Kunstherzsystem für jeden, der auch mit dem Handy umgehen kann.“

Am HKZ sei man aber noch recht zurückhaltend. Im vergangenen Jahr wurden sieben derartige Eingriffe gemacht, und nur dann, wenn die Ursachen der Herzschwäche nicht anderweitig beseitigt werden konnten. Insgesamt werden jedes Jahr am HKZ gut 1000 herzchirurgische Eingriffe vorgenommen - ziemlich genau so viele, wie bei der Gründung der Abteilung 1989 geplant war.

Zum Renommee beigetragen 

25 Jahre nach der ersten Bypass-Operation ist die Herzchirurgie wichtiger Bestandteil des Herz- und Kreislaufzentrums: „Sie hat erheblich zum Renommee Rotenburgs beigetragen“, sagt Rastan und verweist zufrieden auf die aktuelle Focus-Rangliste der deutschen Herzzentren: „Wir gehören in die Riege der Top-Krankenhäuser.“

Von Marcus Janz 

Warum ein Patient aus Texas 20 Jahre nach einer Bypass-Operation einen Brief ans HKZ schreibt und wie dünn die Fäden sind, mit denen Gefäße genäht werden, das lesen Sie in der gedruckten Montagsausgabe der HNA Rotenburg-Bebra.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.