Polizeistation in Flecktarn: Abschied von den Feldjägern in Rotenburg

Großes Einsatzgebiet: Hauptmann Henrik von Kannen, Chef des Feldjäger-Dienstkommandos, vor der Karte des Reviers seiner Einheit, das von Kassel bis in den Odenwald reicht. Rotenburg und auch der neue Standort Fritzlar liegen am nördlichen Rand.

Rotenburg. Die Bundeswehr wird am Donnerstag im Rathaus offiziell aus Rotenburg verabschiedet. Als letzte Einheit verlässt die 9. Kompanie des Feldjägerregiments 2 die Alheimer-Kaserne.

Vor dem Umzug mussten in Fritzlar erst noch Räumlichkeiten vorbereitet werden, was einige Zeit gedauert hat. Denn das Feldjäger-Dienstkommando ist eine ganz besondere Bundeswehr-Einheit, die auch eine besondere Ausstattung benötigt. Wir haben uns vor dem Abschied noch einmal bei ihr umgesehen.

Das Herz 

Gleich hinter dem Eingang ähnelt das ansonsten reguläre Kompaniegebäude am meisten einer Polizeistation, auch wenn die Mitarbeiter Flecktarn tragen. Hinter einer Personenschleuse mit verstärkter Scheibe befindet sich der Einsatzleitstand, „das Herz des Dienstkommandos“, sagt Kompaniechef Hauptmann Henrik von Kannen. Dort sind rund um die Uhr drei Feldjäger im Einsatz, die auf Entwicklungen im ganzen Einsatzgebiet der Kompanie reagieren müssen. Das deckt ganz Hessen ab, von den Truppenstandorten im Norden bis zum Materialdepot Pfungstadt, wohin die Anfahrt mehrere Stunden dauert. Hinter dem Leitstand gibt es eine kleine Waffenkammer und zwei Arrestzellen. Mit eigener Stromversorgung kann das Kommando für einige Stunden autark funktionieren.

Die Ermittlung 

Die Einheit muss auch ganz klassische polizeiliche Ermittlungsarbeit leisten. Wie auf einem Revier haben die teils spezialisierten Feldjäger ein eigenes Büro für Vernehmungen und die Nachforschung, aber auch ein kleines kriminaltechnisches Labor. Dort stehen alle möglichen Mittel der Spurensicherung zur Verfügung bis hin zu einem Cyanacrylatbedampfungsschrank, mit dem sich Beweismittel speziell untersuchen lasse. Das kann längst nicht jede Polizeistation vorweisen.

Die Kompanieführung 

Die Einheiten der Feldjäger sind über das ganze Bundesgebiet verstreut, ohne direkte Anbindung an ein Regiment. Um eigenständig zu funktionieren, hat jedes Dienstkommando eine kleine Verwaltung, vom Personal-Feldwebel bis zum Schirrmeister, der für den Fuhrpark verantwortlich ist.

Die Werkstätten

Auch technisch müssen die Feldjäger unabhängig sein. Zur Wartung des Fuhrparks haben sie eine eigene Werkstatt, die sie sich in Rotenburg bis zur Auflösung des Bataillons mit den Führungsunterstützern geteilt haben. Das ist einer der Gründe, warum ein Dienstkommando sinnvollerweise in einen größeren Truppenstandort eingebunden ist, so wie es künftig in Fritzlar wieder der Fall sein wird.

Die Ausbildung 

Kontinuierliche Ausbildung gehört bei den Feldjägern dazu. Deshalb braucht das Dienstkommando einen Schulungsraum. Die Soldaten sind angesichts vielfältiger Aufgaben und Auslandseinsätze nie alle vor Ort, was die Führung nicht einfacher macht.

So funktioniert ein Feldjäger-Dienstkommando

Die Aufgaben der Feldjäger 

Die 9. Kompanie des Feldjägerregiments 2 ist eines von 23 Dienstkommandos, die das Bundesgebiet abdecken. Die Aufgaben sind vielfältig und ähneln dem Spektrum der zivilen Ordnungsbehörden. Eine Auswahl:

• Als militärischer Ordnungsdienst sorgen die Feldjäger für die Sicherheit zum Beispiel bei Großveranstaltungen der Bundeswehr.

• Die Feldjäger übernehmen Sicherheitsaufgaben, etwa als Personenschützer für hochrangige Militärs, bei der Abfertigung militärischer Einheiten auf Flughäfen oder der Sicherung von Depots.

• Wenn Soldaten in Unfälle oder Straftaten verwickelt sind, übernehmen die Feldjäger wie die Polizei die Ermittlungen von der Spurensicherung bis zur Zeugenvernehmung. Sie arbeiten dem Disziplinarvorgesetzten oder der Justiz zu.

• Bei Manövern oder Bundeswehrtransporten übernehmen die Feldjäger den Verkehrsdienst. Sie kontrollieren auch die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten.

• Einige Feldjäger sind ständig im Auslandseinsatz, um all diese Aufgaben bei den Einsätzen der Bundeswehr sicherzustellen.

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