Wochenendporträt: Zum Ruhestand nach Bad Hersfeld

Pfarrer Wilhelm Altmüller verlässt nach knapp 30 Jahren Rotenburg

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In der Rotenburger Stiftskirche: Seit 1987 war das Gotteshaus für Pfarrer Wilhelm Altmüller ein geschätzter Arbeitsplatz und durch seine Leidenschaft für Musik auch Ort faszinierender Konzerte. Dass dank Eva Gerlach und Elke Suck-Iffland wöchentlich etwa 220 Kinder und Erwachsene im Gemeindehaus musizieren, empfindet er als Geschenk.

Rotenburg. Da geht einer, der mit sich und seinem Arbeitsleben im Reinen ist: Wilhelm Altmüller, seit 1987 Pfarrer in der Rotenburger Neustadt, wird am Sonntag, 9. Oktober, um 14 Uhr in der Stiftskirche verabschiedet. Er sagt: „Es war mit eine der besten Entscheidungen meines Lebens, nach Rotenburg zu gehen.“

Wenn man ihm zuhört, wird deutlich, dass er einer von altem Schrot und Korn ist. Mit den sogenannten preußigen Tugenden kann er durchaus etwas anfangen. Pflichterfüllung zum Beispiel ist ein hohes Gut für ihn. Verlässlichkeit gehört auch dazu. „Pfarrer ist wohl einer der freiesten Berufe, die es gibt. Aber man muss sein Maß in allem finden und Ordnung in sich halten“, sagt Wilhelm Altmüller.

Die Ordnung, die Klarheit brauchte er – auch, weil er sich nicht verbiegen lassen wollte. Klare Worte waren und sind ihm wichtig: „Manchmal habe ich mich weit aus dem Fenster gelehnt. Aber das ist meine Art“, sagt er. Und er ist sicher, dass die Menschen in seiner Gemeinde das offene Gespräch mit ihm geschätzt haben.

Solche Gespräche waren es auch, die oft Zweifel ausgelöst haben: „Was sage ich einer jungen Mutter, deren Mann gerade gestorben ist und die mit Kindern zurückbleibt?“ Seinen Glauben habe er immer wieder kritisch überprüft. Die Frage, die auch sein Lieblingsphilsoph Nietzsche stellt, warum Gott Schlimmes zulässt, habe ihn umgetrieben. Aber abgewandt habe er sich nicht. „Wir können nicht wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Irgendwo muss es eine Sinnhaftigkeit geben“, sagt der Vielleser. Den Traditionsverfall, den Atheismus mag er für sich nicht akzeptieren: „Der Glaube an das Heilige, an etwas Höheres, ist ein Geschenk.“

Als Geschenk fasst er auch die Zeit in Rotenburg auf: „Hier hat sich alles gefügt. Ich hatte Freunde und viele Unterstützer.“ Kirchenkonzerte, die schon Heinz Meise ermöglicht hatte, die engagierten Musikerinnen Eva Gerlach und Elke Suck-Iffland – das zählt für Wilhelm Altmüller zu den besten Fügungen, die ihm glückliche Momente in der Stadt und in der Stiftskirche geschenkt haben.

Wilhelm Altmüller, der aus Schenklengsfeld stammt und sich viele Jahre um seine betagten Eltern kümmern musste, – sein Vater ist inzwischen verstorben, seine Mutter lebt noch bei ihm – wird nun nach Bad Hersfeld ziehen. Er will auch vertretungsweise keine Gottesdienste in Rotenburg mehr halten. Und er sagt: „ich gehe erfüllt, in Ruhe und Frieden.“

Seine Stelle wird nicht nachbesetzt, der Kirchenbezirk wird von den Pfarrern Lars Niquet und Michael Dorfschäfer mitbetreut.

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