Am Kreiskrankenhaus in Rotenburg werden jetzt künftige Ärzte ausgebildet

Praktisches Jahr in Rotenburg: Henrik Döbold in seinem Zimmer im Schwesternwohnheim des Kreiskrankenhauses. Hier fühlt er sich wie im Hotel. Kost und Logis sind frei. Foto:  Schankweiler-Ziermann

Rotenburg. Der Medizinstudent Henrik Döbold absolviert sein Praktisches Jahr (PJ) am Kreiskrankenhaus in Rotenburg.

Er ist der erste PJler am KKH, das seit einem Jahr Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Marburg ist. Der angehende Mediziner, der aus Marburg stammt, hat sich ganz gezielt für das Haus in Rotenburg entschieden. Als der erste PJler ist er noch ein wenig Exot am KKH.

„Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden, das war wirklich toll“, sagt Döbold und schildert seinen Eindruck, dass es hier kaum Spannungen zwischen Pflegekräften und Ärzten gebe.

Das Dekanat der Uni habe ihm Rotenburg empfohlen, erklärt der 26-Jährige, die Internetseite des KKH hat ihm gefallen, und er hat Freunde in Spangenberg. Ein kleineres Haus der Grundversorgung hat er ausgewählt, weil er hoffte, hier viel lernen zu können. An den Unikliniken stünden die Studenten oft in der dritten Reihe und schauten zum zehnten Mal bei einer Lebertransplantation zu, so überspitzt Henrik Döbold den Unterschied. Ihm sind dagegen besonders die Grundlagen der Chirurgie wichtig, denn vermutlich wird er später als Neurologe arbeiten.

An den großen Kliniken seien die PJer oft fest eingeplant, legten eine Braunüle nach der anderen oder nähmen am Fließband Blut ab. Hier dagegen ist er eine zusätzliche Kraft. Wo es gerade interessant für ihn ist, da kann er dabeisein. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt der Student. Er hat auch schon an einer Blinddarm-OP mitgewirkt, kann den Chirurgen direkt bei der Arbeit zusehen, Fragen stellen und beantworten. Einmal pro Woche hat er gemeinsam mit den Assistenzärzten eine hausinterne Fortbildung - etwa zur Schockraumversorgung oder entzündlichen Darmerkrankgungen.

Auch in der Stadt fehlt dem jungen Mann nichts. Regelmäßig zieht er im Hallenbad seine Bahnen. Das Fahrrad hat er bisher in seiner Heimat gelassen - das Wetter war nicht nach Radfahren. Der Hobbykoch schätzt die kurzen Wege, etwa zum Einkaufen, und die Ruhe: Zeit zum Lernen fürs Examen. Bei der Freundin in Marburg ist er mit dem Zug in zwei Stunden.

Für die künftig bis zu sechs PJler - auch in den Bereichen Innere Medizin und Anästhesie - und Studenten nach dem ersten Examen (Famulanten) hat das KKH eine ganze Etage renoviert und samt Wohnzimmer mit TV und Küche ausgestattet. Vom Studierzimmer aus hat der 26-Jährige, der bisher noch allein hier wohnt, einen herrlichen Blick über Rotenburg. In seinem Zimmer fühlt sich der junge Mann wie im Hotel.

Henrik Döbold beendet im Frühjahr sein PJ und danach auch sein Studium. Die Erfahrungen in Rotenburg haben ihn bestärkt, dass es sich auf dem Land an einem kleineren Krankenhaus gut arbeiten und auch gut leben lässt.

Für Chefarzt Dr. Martin Oechsner bedeutet die Öffnung zur akademischen Lehre eine Bestätigung des Niveaus, den Anspruch, Wissen zu vermitteln und zu hinterfragen. So hat er zusammen mit seinen Kollegen Dr. Daniel Gleichmann (Innere) und Dr. Reiner Sitzler (Anästhesie) das Curriculum, also den Lehrplan, entwickelt. Noch in diesem Jahr wollen sich die drei Chefärzte an der Uni Marburg zu Prüfern für das dritte Staatsexamen qualifizieren.

Lesen Sie mehr in der gedruckten Ausgabe unserer Zeitung oder im E-Paper.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.