Religionen und Frieden: Der Mensch entscheidet

Vor ihrem Publikum: vorn von links Pröpstin Sabine Kropf-Brandau, Deborah Tal-Rüttger, hinten Dr. Bilal Farouk El-Zayat und Prof. Erich Geldbach. Er zitierte die Worte: Es gibt keinen Weg zu Frieden, Frieden ist der Weg. Foto: Schankweiler-Ziermann

Rotenburg. Er ist es, der die Aufforderung der drei großen Religionen zum Frieden und das Gebot nicht zu töten, ernst nimmt - oder die Religionen für sein Streben nach Macht missbraucht.

Das ist ein Fazit aus der Podiumsdiskussion, die am Sonntag im Rotenburger Bürgersaal stattfand, und bei der es um das Verhältnis der Religionen zum Frieden ging. Ob eine Religion dem Frieden dient oder ihn behindert - das liegt an den Menschen.

So heißt es

• im Islam, „wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet“,

• im Judentum, „du sollst nicht morden“, und

• im Christentum, „du sollst nicht töten“ und „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.

Namhafte Vertreter der drei großen Religionen Christentum, Judentum und Islam beleuchteten die Frage vom Verhältnis der Religionen zum Frieden, die sich angesichts des IS-Terrors und wachsender Fremdenfeindlichkeit sowie Antisemitismus in Europa aufdrängt. Alle drei sahen auch die eigene Religion kritisch, wie in der Diskussion unter Leitung von Prof. Erich Geldbach deutlich wurde.

Der gläubige Muslim Dr. Bilal Farouk El-Zayat entgegnete auf die Feststellung, dass sich die Terrororganisation IS auf den Islam berufe und dass „wir den friedensfördernden Islam nicht erleben“, die allermeisten Opfer des islamistischen Terrors seien Muslime.

Und er sagte, der Massenmörder Anders Breivik aus Norwegen bezeichne sich als Christ, obwohl jeder sagen würde, seine Tat sei mit dem Christentum nicht vereinbar. Die drei Religionen hätten viel gemeinsam, erklärte als Vertreterin des Judentums Deborah Tal-Rüttger. Das Judentum sei friedlich, lehne Missionierung ab, sei aber nicht pazifistisch.

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau wies auf das Sinnstiftende des Christentums und das Hineinwirken in die Gesellschaft hin, den Einsatz für Schwache, für Gerechtigkeit. Sie berichtete aber auch von ihrem Eindruck, dass Hass gegenüber den Flüchtlingen und Muslimen aufbreche, dass die Stimmung kippe. Dies nehme sie in Bad Hersfeld wahr, wo sie wohne.

Deborah Tal-Rüttger war der Ansicht, Erwachsene lernten nicht mehr, im anderen nicht den abzuwehrenden Fremden zu sehen. Vielmehr müsse man die Kinder lehren: „Fremdenhass ist blöd“.

Die beiden Schirmherrn, Dekanin Gisela Strohriegl und Bürgermeister Christian Grunwald, hatten die Zuhörer begrüßt, die sich trotz des schönen Herbsttages mit dem ernsten Thema auseinandersetzten. Sie riet, achtsam die Position des anderen wahrzunehmen, er plädierte für ein „emotionales Verstehen“.

Auf dem Podium im Bürgersaal in Rotenburg: 

• Deborah Tal-Rüttger (Felsberg), Lehrtätigkeit , von der Union progressiver Juden in Deutschland, forderte auf, jeder solle sich von Gewalt distanzieren.

• Dr. Bilal Farouk El-Zayat, Arzt und Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Marburg, sagt: „Wir haben mehr Gemeinsames als Trennendes.“

• Sabine Kropf-Brandau, Pröpstin Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, lebt in Bad Hersfeld und wünscht sich eine Koalition der Vernünftigen.

• Dr. Erich Geldbach (Marburg), Professor für Ökumene und Konfessionskunde, als Moderator betonte, man dürfe den Einheitsbrei nicht zum Ideal erheben, Pluralität sei wertvoll.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.