Schutzmantel fürs Leben

Gedanken zur Bedeutung der Bibel von Pröpstin Sabine Kropf-Brandau

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Mit dem heutigen Reformationstag beginnt das Reformationsjubiläum, das bis 2017 in Würdigung des Beginns der Reformation vor 500 Jahren begangen wird. Mit der Reformation lassen sich viele Themen verbinden und werden auch zur Sprache kommen. Mir ist wichtig, dass wir über unsere Bibel miteinander ins Gespräch kommen.

Mit der Übersetzungsarbeit Martin Luthers, in dem er die Bibel aus den jeweiligen alten Sprachen in eine Sprache übersetzte, die jedermann zugänglich und verständlich war, wurde es möglich, dass alle Menschen sich eine eigene Meinung über biblische Zusammenhänge und Fragen des Glaubens bilden konnten und damit einen ganz neuen Zugang zum Glauben fanden.

Gegenwärtig ist die vollständige Bibel in 513 Sprachen, das Neue Testament in 1 294 Sprachen und weitere Teilübersetzungen in 1 010 Sprachen übertragen. Damit ist die Bibel das am meiste übersetzte Buch weltweit.

Sie prägt bis heute das Wirken vieler Malern, Schriftstellern oder Musikern und bereicherte die deutsche Sprache um eine Reihe geflügelter Worte. Doch noch viel entscheidender scheint mir, dass die Bibel nicht als altes und verstaubtes Buch wahrgenommen wird, sondern als etwas, was mit meinem Leben zu tun hat. Viele der Texte entschlüsseln sich erst im Lauf der Jahre, sie gewinnen erst allmählich prägende Gestalt für unser Leben. Sie wollen angeeignet und erprobt werden.

So werden sie wie ein Mantel, in den wir uns bergen können – biblische Worte als Schutzmantel in den vielen Unsicherheiten des Lebens. Für jede und jeden sind das andere Worte der Bibel, aber es lohnt sich auf jeden Fall ihnen nachzuspüren.

Mein Lieblingssatz steht im Alten Testament. Er wurde mir vor 37 Jahren bei meiner Konfirmation zugesagt. „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein“ (1. Mose 12,2) Damals ahnte ich nicht, wie sehr mich dieser Spruch prägen und begleiten würde.

In den zurückliegenden Jahrzehnten habe ich viele eigene Erfahrungen mit diesem großen Wort gemacht, das einst Abraham völlig unerwartet traf und sein Leben von Grund auf veränderte: Heraus aus der angestammten Familie und Umgebung in die Weite eines unbekannten Landes, in das Gott ihn führen werde. Und Abraham brach auf – nur in der Gewissheit, dass Gott ihm Geleit und Führung zugesagt hatte. Volles Risiko war das!

Und wenn es bei mir auch nicht so riskant war, habe ich mich doch in meinem Leben oft geleitet gefühlt. Das begann mit meinem Theologiestudium, was ich mir selbst nicht zu getraut hatte und mich doch eines Tages an der kirchlichen Hochschule in Wuppertal wiederfand. Und es ging so über viele Etappen meines Lebens, bis hin zu meiner Berufung ins Propstamt unserer Landeskirche. Vorher Pfarrerin mit halber Stelle und dann dieser große Schritt. „Ich will dich segnen“.

Unter dieses Wort habe ich mich gestellt und bin den Schritt gegangen. Segen, sagt Luther, ist „Mehrung“ – ist mehr, als wir selbst können oder uns zuschreiben. Darum behalten wir ihn nie nur für uns selbst. Ich will dich segnen, sagt Gott, und du sollst ein Segen sein. Oft frage ich mich bei Entscheidungen, die ich treffe, ob sie wohl segensreich sein werden oder können. Was mir gilt und gut tut, kommt stets auch anderen zugute. So versteh ich mein Amt, so will ich leben, trotz aller Anfechtung und Schwierigkeiten. So wurde dieses Konfirmationswort für mich zur Gabe und Aufgabe. Ein echter Begleiter durch mein Leben.

Ich wünsche allen, dass sie ähnliche Erfahrung mit Worten aus der Bibel machen dürfen. Nehmen Sie sie doch einfach mal wieder zur Hand. Es lohnt sich.

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