Warten auf die Organspende

Geburt, dann drei Wochen Koma: Junge Mutter erwacht mit Kunstherz

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Nina Funk mit ihrem Sohn.

Hersfeld-Rotenburg. Nina Funk aus Niederaula lag nach der Geburt ihres Sohnes drei Wochen im Koma und wachte mit einem Kunstherzen auf. Vorher war sie kerngesund gewesen.

Ihr erstes Kind soll geboren werden, ein Kaiserschnitt. Dann setzt die Erinnerung von Nina Funk aus. Was nach dem 15. Mai 2011 passiert ist, weiß die heute 33-Jährige nur aus Erzählungen. Ihren gesunden Sohn sieht sie erst drei Wochen später zum ersten Mal, als sie aus dem Koma erwacht. An die Zeit vorher erinnert sie sich nicht. „Gott sei Dank“, sagt sie. „Es war eng.“

Als Nina Funk aus dem Koma erwacht, hängt sie an vielen Schläuchen, rundum an den Wänden Fotos des kleinen Noah. Sie kann sich kaum bewegen, nicht aufsetzen, nicht mehr sprechen, leidet unter starkem Schwindel. „Ich konnte gar nichts“, erzählt die junge Mutter. An ihr eigenes Herz hatten die Ärzte ein Kunstherz implantiert.

Der Kardiologe Dr. Reinhard Funck vom Klinikum Bad Hersfeld, wo Noah zur Welt kam, hatte den Kontakt zur Medizinischen Hochschule nach Hannover hergestellt. Dort forscht Prof. Denise Hilfiker-Kleiner über die sehr seltene Krankheit PPCM. Diese hatte Nina Funks Herz so zugesetzt, dass sie – angeschlossen an eine Herz-Lungen-Maschine – von Hersfeld nach Hannover geflogen werden musste.

Dabei war die Schwangerschaft ganz normal verlaufen. Nur am Ende war die junge Frau kurzatmig, fühlte sich kraftlos und hatte einen hartnäckigen Husten. Als die Wehen eingesetzt hatten und während der Geburt die Herztöne des Kindes und ihre eigenen sich verschlechterten, sie immer weniger Luft bekam, entschied man sich im Bad Hersfelder Klinikum für den Kaiserschnitt.

Nach der Geburt stand der Papa, Marc Funk, von einem auf den anderen Tag alleine mit dem Säugling da. Er bekam kurzfristig fünf Monate Elternzeit von seinem Arbeitgeber in Frankfurt und kümmerte sich um Noah. „Das hat er gut gemacht“, sagt Nina Funk. „Noah hat eine starke Bindung zum Papa.“

Drei Monate hat es gedauert, bis Noahs Mutter nach Hause kam. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie wieder ein paar Schritte laufen, verbrachte aber noch die meiste Zeit auf dem Sofa.

Nina Funk ging es danach langsam besser, sodass man nach einem Jahr entschied, das Kunstherz wieder herauszunehmen. Man hoffte, ihr eigenes Herz würde seine Aufgabe wieder übernehmen können. Doch das alte Problem trat erneut auf. In einer dritten großen Operation bekam sie ein zweites Kunstherz eingesetzt.

Ein solches hält nicht ewig. Es kann noch fünf Jahre arbeiten, aber auch schon morgen versagen. Nina Funk versucht, trotzdem so normal wie möglich zu leben, obwohl die Aussichten nicht rosig sind. Schlaganfälle sind häufig bei Patienten mit einem Kunstherzen. Drei sogenannte TIAs, Vorboten des Schlaganfalls, hatte Nina Funk schon. Seitdem sie mit der zweiten Kunstpumpe lebt, ist das Herz eines Spenders die große Hoffnung der jungen Frau. Nun steht sie auf der Warteliste für ein Spenderherz – weit unten.

Internet: www.ppcm.me

Was ist PPCM?

In seltenen Fällen kommt es im Verlauf der Geburt oder in den ersten Monaten danach zu einer Herzschwäche (Peripartale Kardiomyopathie, PPCM) bei vorher gesunden Frauen.

Die PPCM führt bei bis zu 25 Prozent der Frauen zum Herzversagen mit Herztransplantation oder Tod, bis zu 40 Prozent behalten bleibende Herzschäden zurück. Deshalb ist es wichtig, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und zu therapieren.

Mögliche Beschwerden einer PPCM sind: Kurzatmigkeit, trockener Husten, geschwollene Beine, Abgeschlagenheit und Antriebslosigkeit, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und Depressionen. Da die Symptome oft nicht eindeutig sind, ist es schwierig, PPCM zu erkennen.

Weitere Informationen auf  www.mh-hannover.de

Eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiografie) beim Herzspezialisten (Kardiologe) zeigt, ob eine eingeschränkte Herzfunktion Ursache ist. Man geht davon aus, dass das Stillhormon sich spaltet und das Herz angreift. Das Medikament Bromocriptin kann die Produktion des Stillhormons verhindern.

Betroffen ist nach Schätzungen eine von 3000 Schwangeren. Die Dunkelziffer ist hoch.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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