Kritik an Amazon

Nach Leiharbeiter-Reportage: Seepark und Sicherheitsfirma äußern sich

Bad Hersfeld/Kirchheim. Nach der ARD-Reportage über die Arbeitsbediungungen und die Unterbringung spanischer Leiharbeiter, die bei Amazon in Bad Hersfeld eingesetzt wurden, melden sich jetzt der Geschäftsführer des Kirchheimer Seeparks sowie das Kassler Sicherheitsunternehmen H.E.S.S. zu Wort.

In der ARD-Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ war unter anderem berichtet worden, dass die Arbeiter im Kirchheimer Seepark auf engstem Raum untergebracht, schlecht verpflegt und rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst überwacht wurden.

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„Alle unsere Ferienhäuser sind renoviert und haben einen guten Standard. Unsere Küche wurde und wird stets gelobt, auch von den Amazon-Gästen“, schreibt Andreas Engelhoven, Geschäftsführer des Seeparks, in einer Pressemitteilung. Weder Beschwerden über die Küche noch über die Unterbringung in den Ferienhäusern seien von den Amazon-Mitarbeitern jemals an das Hotel herangetragen worden.

Als Dienstleister habe sich das Hotel stets an die Bestellungen und die Vorgaben des Auftraggebers, der Firma Coco Job Touristik aus Leipzig, gehalten.

Im Übrigen sei die im Filmbericht zitierte spanische Arbeiterin Silvina nicht einfach wieder nach Spanien „ausgeliefert“ worden, sondern jetzt im Seepark Kirchheim als festangestellte Serviererin beschäftigt, heißt es in der Mitteilung weiter.

„Keine radikale Gesinnung“

Schriftlich äußert sich auch Patrick Hensel, Geschäftsführer des Kasseler Sicherheitsunternehmens H.E.S.S., dessen Mitarbeiter laut Filmbericht der rechtsradikalen Szene angehören sollen. „Wir distanzieren uns ausdrücklich von jeder Form von politischem Radikalismus“, heißt es in der Erklärung.

Über 30 Prozent, in Spitzenzeiten über 70 Prozent der Mitarbeiter des Unternehmens, hätten einen Migrationshintergrund. Sofern in Einzelfällen Mitarbeiter rechtsradikales Gedankengut verträten, würde auf eine Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses hingewirkt.

Da zwei der Mitarbeiter mit Jacken der Marke Thor Steinar gesehen worden seien, habe das Unternehmen aufgrund nachträglicher Recherche zu dieser Marke nun per Dienstanweisung das Tragen untersagt. „Wir werden die betreffenden Mitarbeiter hinsichtlich einer rechtsradikalen Gesinnung überprüfen und daraus im gegebenen Fall die Konsequenzen ziehen“, heißt es weiter.

Auftraggeber für den Einsatz im Kirchheimer Seepark sei das von Amazon mit der Unterbringung der Leiharbeiter betraute Unternehmen gewesen. Der Sicherheitsdienst habe die Aufgabe gehabt, Konflikte zwischen den Leiharbeitern zu vermeiden und bei Straftaten die Polizei hinzuzuziehen. In der Vergangenheit sei es zu Diebstählen und Beschädigungen gekommen.

Eine Vielzahl der Leiharbeiter wisse die der Konfliktvermeidung dienende Tätigkeit zu schätzen. „Die Kontrolle der Zimmerunterkünfte finden im Einvernehmen und ausschließlich im Zusammenhang mit der Begehung von Hotelzimmern durch das Housekeeping der Hotelbetreiber statt. Rechtswidrige Durchsuchungen finden durch unser Unternehmen nicht statt“, schreibt Hensel.

Nachdem den Journalisten durch das Hotel ein Hausverbot erteilt worden sei, hätten diese sich eingeschlossen. Der Sicherheitsdienst habe daraufhin die Polizei gerufen, so Hensel zu den Vorwürfen, das Fernsehteam im Hotel festgehalten zu haben. (jce)