Neun Monate Haft

Flüchtling dankte für Urteil: Neun Monate wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes

Bad Hersfeld. Am Ende bedankte sich der Angeklagte, das Urteil sei „in Ordnung“. Neun Monate Freiheitsstrafe hatte das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld für den sexuellen Missbrauch eines Kindes verhängt, dabei dem 24 Jahre alten Afghanen jedoch eine verminderte Schuldfähigkeit zuerkannt.

Der Asylbewerber, der seit dem 17. Dezember vergangenen Jahres in Untersuchungshaft gesessen hatte, verließ den Saal anschließend als freier Mann, weil die Vollstreckung der Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Angeklagte selbst hatte in dem dreitägigen Prozess durch sein Geständnis dafür gesorgt, dass das Gericht Milde walten lassen konnte. Seinem Opfer, einem neunjährigen Jungen, war nämlich so eine Vernehmung im Zeugenstand erspart geblieben (unsere Zeitung berichtete).

Auch wäre die Beweisaufnahme deutlich umfangreicher und der Schuldnachweis womöglich schwieriger geworden. So aber stand fest, dass der Afghane den Jungen in der Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung in einen Keller gelockt hatte, in dem er sein Smartphone dem Kind zum Spielen überließ.

Im Keller umarmte er den Neunjährigen, zog ihm die Hose herunter und berührte ihn an den bloßen Oberschenkeln. Selbst noch angezogen kam der erregte Afghane zum Erguss. Anschließend zog er dem Kind die Hose wieder hoch und streifte dabei möglicherweise auch dessen nacktes Geschlechtsteil.

Auf die Frage nach dem Warum hatte sich der Angeklagte auf seine Nervenkrankheit berufen. Tatsächlich leidet der 24-Jährige wohl unter einer krankhaften seelischen Störung. Von Schizophrenie sprach der Kasseler Psychiater Dr. Helge Laubinger in seinem Gutachten, dessen Aussagekraft er jedoch wegen der schwierigen Exploration mittels Dolmetscher relativierte. Auch wenn er keine Anhaltspunkte dafür hatte, dass der Afghane zur Tatzeit in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war, vermochte er eine Schuldminderung durch die Psychose letztlich nicht auszuschließen.

Staatsanwältin Christina Dern beantragte ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung, Verteidiger Christian Kusche eine Strafe, die durch die Untersuchungshaft bereits verbüßt sein sollte. Das Gericht blieb zwischen beiden Anträgen, auch mit dem Hinweis, dass bei erneuter Straffälligkeit noch drei Monate offen wären.

In der Begründung hielt die Gerichtsvorsitzende Michaela Kilian-Bock dem Angeklagten vor, ein Kind missbraucht zu haben, das wie er aus der Heimat geflüchtet sei und in Deutschland Schutz gesucht habe.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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