Neue Methode am Herz- und Kreislaufzentrum zur Behandlung schwerer Formen des Bluthochdrucks

Oft ist der Stress-Nerv schuld

Wenn Gewichtsabnahme, Ausdauersport und Medikamente nicht helfen, kann man zur Bluthochdruck-Therapie Teile des Stress-Nervs veröden. Das Foto zeigt Oberärztin Dr. Biljana Vokic. Foto:  nh

? Was ist so gefährlich am hohen Blutdruck?

! Die Volkskrankheit Bluthochdruck ist der führende Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen und mit schweren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Schlaganfall, Hirnblutung und die Einschränkung der Nierenfunktion auch eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. 25 bis 30 Millionen Menschen leiden hierzulande an zu hohem Blutdruck.

? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um das neue Verfahren zur Blutdrucksenkung einsetzen zu können?

! Zunächst wird versucht, mit Gewichtsabnahme, regelmäßigem Ausdauersport und einer Behandlung mit mehreren unterschiedlich wirkenden Medikamenten den Blutdruck zu senken. Bei etwa 15 Prozent der Patienten gelingt das nicht. In diesen Fällen kommt die neue Behandlungsmethode einer Verödung bestimmter Nerven in den Nierenadern in Betracht.

? Worauf basiert die Methode und wie funktioniert sie?

! Seit Langem ist bekannt, dass der Sympathikus, also der der Stress-Nerv, unsere Reaktionen auf Stress, Anspannung und Gefahr reguliert. Dessen Überaktivität hat eine entscheidende Bedeutung bei der Entwicklung des Bluthochdrucks. Dieser Stress-Nerv ist das Ziel der neu entwickelten Therapie. Dabei werden Teile des Nervs mittels Hochfrequenz-Strom über einen Katheter an beiden Nierenadern verödet.

? Wie kommen Sie mit dem Katheter zu dem Stress-Nerv in der Niere?

! Wie bei einem Herzkatheter, nur unter örtlicher Betäubung der Beinader, wird ein Zugang im Bereich der Leiste geschaffen. Während des risikoarmen Eingriffs, der insgesamt etwa eine Stunde dauert, erhalten die Patienten ein leichtes Beruhigungsmittel und ein Schmerzmittel.

? Wie Erfolg versprechend ist der Eingriff?

! In großen Untersuchungsreihen konnte gezeigt werden, dass bei über 80 Prozent der behandelten Patienten über einen Zeitraum von bis zu 36 Monaten der Bluthochdruck gesenkt werden konnte. Der Effekt ist in der Regel erst nach Wochen bis Monaten zu erwarten, sodass zunächst die medikamentöse Therapie nach dem Eingriff unverändert fortgeführt werden muss. Später können dann immer mehr Medikamente abgesetzt werden.

? Wie geht es den Patienten nach dem Eingriff?

! Neben der deutlichen Abnahme des Bluthochdrucks berichten viele Patienten über eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität: erholsamerer Schlaf, weniger Tagesmüdigkeit, weniger innere Unruhe und weniger Kopfschmerzen. Bei Diabetikern wird häufig die Blutzuckereinstellung verbessert, und auch das häufige Schlaf-Apnoe-Syndrom (Schlaferkrankung) konnte positiv beeinflusst werden. Unerwünschte Nebenwirkungen wurden bisher noch nicht beobachtet.

? Wie verbreitet ist die Methode in Deutschland?

! Seit 2007 wurden 50 000 Patienten in Deutschland auf diese Weise behandelt, zuerst an der Universitätsklinik in Homburg/Saar, wo Biljana Vokic die Methode gelernt hat. In unserer Region wird der Eingriff bisher nur am HKZ vorgenommen.

„Das Verfahren ist einfach und effektiv und wird in Zukunft wohl zu einem festen Bestandteil der Behandlungsmöglichkeiten des Bluthochdrucks werden“, ist sich Prof. Christian Vallbracht sicher. Er ist Direktor der Kardiologischen Fachklinik des HKZ. (ank)

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