Gedenkveranstaltung zum 10. Mai 1933 – Nazis verbrannten 20 000 Bücher in Berlin

Texte zum Leben erweckt

Würdige Erinnerung an die Bücherverbrennung: Bernd Kaun, Zweiter von rechts, und Brigitte Meyer-Christ lasen in Imshausen Texte, Renate und Roland Häusler musizierten. Foto: Meyer

Imshausen. „Wir haben unser Handeln gegen den undeutschen Geist gerichtet“, und „Übergebt alles Undeutsche den Flammen!“ Die bedrohlichen, von knisternden Störungen überlagerten Worte des Propagandaministers Joseph Goebbels aus einer Radiosendung vom 10. Mai 1933 standen am Anfang einer Gedenkveranstaltung der Stiftung Adam von Trott in Imshausen. Am Freitag wurde dort der Bücherverbrennung durch nationalsozialistische Studenten gedacht.

20 000 Bücher brannten am 10. Mai 1933 in Berlin, weitere auf Scheiterhaufen in anderen Städten. Wenige Tage später brannten Bücher auch in Kassel.

Die von den Nationalsozialisten propagandierte „Aktion wider den undeutschen Geist“ richtete sich unter anderem gegen jüdische, marxistische und pazifistische Schriftsteller.

Manche Texte voller Humor

Bernd Kaun und Brigitte Meyer-Christ gedachten der verbrannten Dichter würdevoll, indem sie deren Texte vorlasen und sie somit selber sprechen ließen: Erich Kästner, Bertolt Brecht, Hannah Arendt und andere, deren Werke ohne Protest in Flammen gesetzt wurden. In den manchmal auch humorvollen Texten spiegelte sich der Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit wider, außerdem die kluge und weitsichtige Einschätzung einer Entwicklung Deutschlands hin zu einer Nation des Untertanengeistes, die der Fantasie keinen Raum mehr ließ.

Die Nachbetrachtungen Überlebender stellten einen besonderen Aspekt der Bücherverbrennung in den Mittelpunkt: dass diejenigen Schriftsteller, die Deutschland verließen, keine Emigranten im Sinne freiwillig Ausgewanderter waren, sondern Vertriebene, die ihrer Heimat beraubt wurden und in einem fremdsprachigen Land auch mit ihrem Handwerkszeug, der deutschen Sprache, nichts mehr anfangen konnten. Mancher von ihnen beging Selbstmord.

Renate und Roland Häusler musizierten dazu und sangen die damals verbotenen Lieder oder vertonte Gedichte. Die musikalische Untermalung trug nicht nur zur Feierlichkeit der Veranstaltung bei, sondern erweckte die Texte der Dichter zu dem Leben, dessen sie vor 81 Jahren beraubt wurden.

Von Achim Meyer

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