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Verbeugen und verstehen

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Einstimmen: Sängerinnen der Rotenburger Jugendkantorei unter Leitung von Eva Gerlach, rechts, sangen zur Begrüßung der Gäste „Schalom Chavewrim“. Fotos: Schäfer-Marg
Einstimmen: Sängerinnen der Rotenburger Jugendkantorei unter Leitung von Eva Gerlach, rechts, sangen zur Begrüßung der Gäste „Schalom Chavewrim“. Fotos: Schäfer-Marg © -

Rotenburg. „Wir senken den Kopf, wir lesen, wir verstehen. Genau darum geht es – immer wieder“. So fasste Friedhelm Großkurth, der Leiter der Jakob-Grimm-Schule (JGS), den Sinn der Aktion Stolpersteine zusammen. 29 dieser Steine sind am Freitagmorgen in einer Feierstunde in Rotenburg verlegt worden.

Mit den Biografien der 29 ehemaligen jüdischen Einwohner, die während des Nazi-Terrors ihr Leben lassen mussten, hatten sich Jugendliche aus einem Geschichtskurs der JGS befasst. Sie rahmten mit Informationstafeln über die Opfer den Platz vor dem jüdischen Museum in der ehemaligen Mikwe ein, wo sich über hundert Besucher versammelt hatten.

Unter ihnen auch Ittai, Hanna und Avital Malbin aus Israel. Sie sind Nachfahren der Familie Katz, die früher ein Schuhgeschäft am Steinweg betrieben hatte und mit Ausnahme des zuvor ausgereisten Sohnes Meinhold ermordet wurde. Ittai Malbin betonte, welch wichtiger Ort Rotenburg für seine Familie sei, die einst Teil der Stadt war.

Identität zurück bekommen

Über Stolpersteine soll man nur in Gedanken stolpern, erklärte der Initiator der Aktion, Dr. Heinrich Nuhn. Wenn man sich bücke, um zu lesen, verbeuge man sich auch vor den Opfern. Sie bekämen ihre Identität zurück, die ihnen vor Jahrzehnten genommen worden sei.

Stolpersteine mahnen, dass die Menschlichkeit nicht unter die Räder kommen dürfe, sagte Bürgermeister Manfred Fehr. Der von vielen geforderte Schlussstrich unter die Geschichte dürfe nie gezogen werden. Dass die Erinnerung als Mahnung wach gehalten werden muss – darauf wiesen auch Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt und die Pröpstin des Spengels Hersfeld, Sabine Kopf-Brandau, hin. Das „El male rachamim“, das Gebet zum Gedenken an die jüdischen Mordopfer, sprach Horst Selbiger, der Vorsitzende der deutschen Sektion von Child Survivors.

Musik und Texte

Zur würdigen und bewegenden Feierstunde trugen mit Liedern auch die Jugendkantorei der Stiftskirche mit Eva Gerlach sowie Ernst Kreis und Ulrike Schedensack bei. Inge Nuhn erinnerte an Elka und Honet Kaufmann, deren Stolpersteine direkt vor der Mikwe verlegt wurden. Erika Blawath, die Schwester von Ernst Kreis, trug im Steinweg ein Gedicht vor. Die Familien Kreis und Malbin sind durch Geschäftsbeziehungen ihrer Vorfahren miteinander verbunden – wir berichteten.

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