Marktplatz: Wer wäre gern mal Leierkastenmann?

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Gut zu bewegen: Das Instrument verfügt über einen schönen fahrbaren Untersatz.

Die Festspielstadt Bad Hersfeld scheint ein beliebtes Pflaster für Drehorgelfans zu sein. Nicht nur, dass der fast schon bundesweit bekannte Schaustellerpfarrer Volker Drewes von hier aus mit seinem Leierkasten auf Jahrmärkte zieht.

Nein, ganz in seiner Nähe wohnt Ian Pither, ein in London geborener Bauingenieur, dessen Großvater Kommandant von Schloss Edinburgh war, den es der Liebe und des Berufes wegen nach Deutschland verschlagen hat, der seinen Lebensabend in Bad Hersfeld verbringt und der ebenfalls stolzer Besitzer eines Leierkastens ist. Einer Original Berliner, von der Firma Stüber hergestellten 20-er Drehorgel, die er jetzt mitsamt 18 Musikrollen und sehr schönem, fahrbaren Untersatz verkaufen will.

Die Liebe zog Ian Pither nach Deutschland

Der Lebensweg des 80-jährigen Engländers gestaltete sich an vielen Stellen ungewöhnlich. Zur Welt kam er in einem Auto, weil sein Vater einen Autounfall hatte und weil seine hochschwangere Mutter, die mit dem Vater im Auto unterwegs war, es nicht mehr bis ins Krankenhaus schaffte. Als junger Mann verliebte er sich dann „ausgerechnet“ in das deutsche Au-Pair-Mädchen Helga, mit dem er 1962 im badischen Schopfheim den bis heute haltenden Bund der Ehe schloss. Von Schopfheim zog es die beiden für fünf Jahre in die Nähe von Basel, von dort aus für zwölf Jahre zurück nach England und 1981 nach München, wo Pither nach verschiedenen Auslandsarbeitsaufenthalten eine Stelle bei einer Tochterfirma von Krauss-Maffei antrat. Hier ereilte ihn auch eine schwere Krankheit, bei der ihm bei einer Operation sehr viel Blut zugeführt werden musste.

Heute, als agiler Rentner, der sich gerne für seine Mitmenschen einsetzt, sieht er die damals sehr ernste Situation locker, vielleicht auch ein bisschen mit britischem Humor: „Durch den Blutaustausch bin ich sicher noch einmal jung geworden!“

Faible für Berlin

2004 war der inzwischen nach Bad Hersfeld Gezogene mit seiner Frau auf einem alle drei Jahre stattfindenden Orgelfest im badischen Waldkirch, in dem drei große Orgelbauer ihren Sitz haben. Dort konnte man anlässlich eines „Tages der offenen Tür“ von der Straßenorgel bis zur Kirchenorgel alle möglichen Orgeln bewundern – und kaufen. Da er schon immer ein Faible für Berlin hatte, kaufte er ganz spontan eine mit 20 Pfeifen ausgestattete Original Berliner Drehorgel, die er jetzt – so gut wie neuwertig – in jüngere Hände abgeben möchte.

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Marktplatz: Wer wäre gern mal Leierkastenmann? 

Zum „Verkaufspaket“ gehören 18 recht wertvolle und ergänzbare Musikrollen. Sie bilden eine große musikalische Bandbreite ab und umfassen neben klassischen Stücken, wie etwa von Georg Friedrich Händel, Kirchen- und Weihnachtsliedern, Studentenliedern („Gaudeamus igitur“), Stimmungsliedern auch einige weltbekannte Songs von Abba. Darüber hinaus sind noch englische und schottische Weisen dabei, wie etwa „Scotland the Brave“, für dessen „Pipes and Drums“ sich Pither schon immer begeistert hat.

Auf die ihm nach der Brexit-Abstimmung natürlich gestellte Frage, wie es mit dem Vereinigten Königreich und Europa weitergehen soll, antwortet der überzeugte Royalist, der gerne in Deutschland und speziell im gemütlichen Bad Hersfeld lebt, der aber immer noch einen britischen Pass hat: „Es tut mir weh, dass die Engländer so anders denken. Ohne Europa können wir eigentlich nicht leben. Gut, dass wir wenigstens noch die Queen haben, die hält das Land zusammen!“

Kontakt: T 0 66 21 / 79 45 25

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