Wetter belastet Landwirtschaft, auch Imker klagen über Kapriolen

Natur aus dem Rhytmus: Blumen und Blüten konnte man am zweiten Weihnachtsfeiertag auch in Meckbach sehen. Das Bild unseres Mitarbeiters Friedhelm Eyert entstand in den „Plotzgärten“. Foto: Eyert.

Hersfeld-Rotenburg. Der warme Winter macht der Landwirtschaft und der Natur zu schaffen. Auch die Imker im Kreis blicken mit Sorge auf ihre Bienenvölker.

„Der gesamte Organismus Bienenvolk ist durcheinander“, sagt Norbert Günther, der stellvertretende Vorsitzende des Kreis-Imkerverbands aus Bebra. Eigentlich müssten die Bienenvölker jetzt Winterruhe halten, stattdessen brüten sie und „vergeuden“ dabei Futter. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hätten die Tiere Pollen eingetragen wie sonst nur im März und April, berichtet Günther. Die Zwischenfrucht Senf blühe, die Haselnusspollen fliegen schon, auch die Zierkirschen bieten schon Futter.

Allerdings, so warnt Günther: Wenn es jetzt noch einmal richtig kalt wird, können die Tiere verhungern. Sie sammeln sich auf der Brut, um diese zu wärmen. Selbst, wenn Futter nur wenige Zentimeter neben der Brut zu finden ist, verhungern die Bienen, weil sie sich nicht von ihrem Nachwuchs trennen.

Problematisch ist der warme Winter auch mit Blick auf den Todfeind der Bienen, die Varroamilbe. Die Winterbehandlung habe bei den aktuellen Temperatur nur wenig bewirken können, die Milbe breite sich schon wieder auf der Brut aus.

Auch in der Landwirtschaft ist die Situation kritisch. Spät gesäter Weizen und Raps hat sich in dieser feuchten und warmen Zeit zwar gut entwickeln können und es gibt einen dichten Bestand, berichtet Wolf-Günther Gebauer von der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft. Doch berge die Entwicklung Risiken: Kahlfrost, also eine längere Frostperiode, könnte die die jungen Pflanzen zerstören, weil diese keine Winterhärte ausgebildet haben. Sie könnten aber auch verdursten, wenn es erneut ein trockenes Frühjahr gibt. Sogar das Verhungern der Pflanzen sei dann möglich, weil Regen nötig ist, um die Nährstoffe im Boden freizusetzen und Dünger einzuwaschen.

Zwischenfrüchte hoch

Die Zwischenfrüchte, die zur Verbesserung des Bodens gesät werden, sind inzwischen sehr hoch gewachsen. Eigentlich sollten sie abfrieren. Dazu müsste es jedoch - je nach Art - über mehrere Tage minus 5 bis minus 7 Grad kalt sein. Ansonsten droht den Landwirten ein weiterer Arbeitsgang: Sie müssen die Felder mit den Zwischenfrüchten mulchen, eventuell sogar Herbizide einsetzen. „Am besten wäre es, wenn es jetzt tüchtig schneien würde“, sagt Gebauer. „Die Pflanzen wären geschützt, der Schnee liefert im Frühjahr das Wasser.“

Von Silke Schäfer-Marg

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