Wildecker Kieswerk will Abbaugebiet ausweiten - Anwohner protestieren

Kritik an Kiesabbau bei Obersuhl: Senkungen können viele Ursachen haben

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In Obersuhl wird darüber viel diskutiert: Ein Teil der betroffenen Anwohner macht den Kiesabbau für die Schäden an ihren Häusern verantwortlich. 

Obersuhl. In Obersuhl gehen die Diskussionen um den Kiesabbau weiter. Die Risse an den Häusern können viele Ursachen haben - sagen Fachleute.

Das Wildecker Kieswerk will sein Abbaugebiet in der Gemarkung Untersuhl in Richtung Obersuhl ausweiten. Dagegen protestieren Anwohner im östlichen Obersuhl. Sie halten es für wahrscheinlich, dass der Kiesabbau zu einer Senkung des Grundwasserspiegels führt und so für Senkungen und Risse an ihren Häusern verantwortlich ist.

Ein Gutachten, das das Kieswerk in Auftrag gegeben hat, schließt einen Einfluss auf das Wohngebiet aus.

Senkungen aber können auch natürliche Ursachen haben. Darüber haben wir mit Dr. Gabriele Aderhold vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie in Wiesbaden gesprochen.

Im Boden unter Obersuhl hat die Werra und ihre Seitenarme Sand, Kies und Lehm abgelagert, erläutert Aderhold. Sand und Kies seien häufig mit Grundwasser gefüllt. In diesen Bereichen sei der Grundwasserspiegel dann oft hoch.

"Sand und Kies sind aber nicht so setzungsempfindlich. Das Problem sind die Lehme. Diese Tonschichten sind häufig im Bereich von Flusstälern zu finden. Das sind setzungsempfindliche Bodenschichten an der Oberfläche", betont die Fachfrau.

Im Untergrund kommt nach Angaben von Aderhold ein zweites Problem hinzu: Vor Millionen von Jahren herrschte bei uns ein anderes Klima. Es war sehr warm. Das führte zu einer hohen Verdunstung. Die Folge war, dass sich Gesteine ablagerten, die wasserlöslich und damit setzungsempfindlich sind. Fachleute nennen das Verkarstung. Im Untergrund in einer Tiefe zwischen 30 und 100 Metern abgelagert wurden damals Salz, Kalk, und Gips. Lösen sich diese Materialien, entstehen Hohlräume. Der darüberliegende Sandstein, der nicht löslich ist, kann in diese Hohlräume nachbrechen. Dadurch entstehen an der Erdoberfläche Löcher. Gerade im Bereich von abgelagerten Salzen kann es auch zu Senkungsmulden mit einer Reichweite von zwei Kilometern kommen. Das gibt es an vielen Orten in Hessen.

Prinzipiell können nach Aderholds Angaben auch Veränderungen des Grundwasserspiegels zu Setzungen führen. Ob das beim Kiesabbau in Obersuhl der Fall sei, werde zurzeit von der Genehmigungsbehörde geprüft.

Der Boden unter Obersuhl ist also als Baugrund problematisch. "Deshalb sollte Jeder, der baut, zumindest ein kleines Baugrundgutachten erstellen lassen. Im Bereich von Flussablagerungen sollte in jedem Fall der Baugrund untersucht werden", rät die Fachfrau.

In Hessen sei es möglich, an jedem Ort jedes Bauwerk zu bauen. Es müsse allerdings richtig gegründet sein.

Was ein Baugutachten kostet und wer letzten Endes die Verantwortung beim Bau eines Gebäudes trägt, lesen Sie in der gedruckten Freitagausgabe der Rotenburg Bebraer Allgemeine und im E-Paper.

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