Wahlprüfsteine Wildeck: Hoffnung trotz Schulden

Wildeck. Vor der Kommunalwahl am 6. März stellen wir für jede Gemeinde Wahlprüfsteine auf und erklären, wie Parteien die wichtigsten Themen vor Ort anpacken wollen.

Nach der schweren Zeit ohne hauptamtlichen Verwaltungschef ist Wildeck jetzt wieder auf Kurs. Bürgermeister Alexander Wirth hat gemeinsam mit Verwaltung und Parlament zahlreiche Altlasten aufgearbeitet. Trotzdem bleiben eine Menge Baustellen für die Zukunft. In den vergangenen Monaten ist das Parlament zusammengerückt. Dennoch bleiben Unterschiede in den politischen Zielen:

Welche konkreten Projekte sollten Ihrer Meinung nach in der Gemeinde Wildeck unbedingt angepackt werden?

Alle Parteien haben klare Vorstellungen davon, wie es mit Wildeck weiter gehen soll. Höchste Priorität hat für die SPD die Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur. Außerdem will sie die medizinische Versorgung in Wildeck verbessern, aber auch die Vermarktung der Gewerbegebiete verstärken.

Die CDU will vor allem den Schuldenberg abbauen. Außerdem will sie sich weiter dafür einsetzen, dass die Gemeinde mehr Geld einnimmt. Priorität hat für die CDU auch die Sanierung von Straßen und die Vermarktung der Gewerbegebiete.

Ziel der Grünen ist, die Ortskerne zu stärken, Wildeck touristisch weiter zu entwickeln und Partner für die interkommunale Zusammenarbeit zu suchen. Sie drängen weiter darauf, dass der Strombereich der Gemeindewerke auf sichere Füße gestellt wird.

Auch für die FWG ist das wichtigste Projekt die Reduzierung des Schuldenstandes, um Handlungsspielräume zu bekommen. Dabei dürfe die Bevölkerung aber nicht durch Steuern und Abgaben finanziell stranguliert werden.

Die FDP will sich einsetzen für Investitionen in das Hallenbad, die Senkung des Wasserpreises und das Anlassen der Straßenbeleuchtung in der Nacht. Sie ist gegen die Erweiterung des Kiesabbaus in Richtung Obersuhl.

Wie wollen Sie den Schuldenberg der Gemeinde und Gemeindewerke von 41 Millionen Euro abbauen?

Seit zwei Jahren werden die Schulden der Gemeinde kontinuierlich abgebaut. Diesen Weg wollen wir fortsetzen“, antwortet die SPD kurz und bündig. „Der Schuldenberg ist sehr hoch, jedoch sehen wir einen guten Teil davon als gut angelegtes Geld an“, sagen die Grünen. Die Investitionen in den Kanalbau seien notwendig. Die letzten Bauabschnitte seien auf den Weg gebracht worden. Dann sei erst mal Schluss mit Bauen. Wegen der Schulden müssten alle freiwilligen Ausgaben auf den Prüfstand.

Eine „schwarze Null“ im Haushalt hält die FWG bis zum geforderten Termin 2017 für nicht machbar. Die Schulden müssten weiter reduziert werden, aber mit einem größeren zeitlichen Spielraum. Die CDU will die Einnahmen verbessern durch die Vermarktung der Bau- und Gewerbegebiete. Sie drängt auch weiter darauf, vom Defizit beim Betreiben des Hallenbades wegzukommen. Auch die Verwaltung müsse effektiver und kostengünstiger betrieben werden - durch interkommunale Zusammenarbeit. Weitere Einnahmen will die FDP erreichen durch die Ansiedlung von Gewerbe, den Verkauf gemeindeeigener Wohnhäuser und die Vermarktung des Stroms der Gemeindewerke auch außerhalb von Obersuhl.

Bürgermeister Alexander Wirth ist seit 1,5 Jahren im Amt. Was halten Sie von seiner Amtsführung?

Vor der Bürgermeisterwahl haben SPD und FDP Alexander Wirth unterstützt. Jetzt schätzen alle Fraktionen im Parlament die „offene und bürgernahe Art“ des Bürgermeisters. „Heute zeigt sich, dass er eine gute Wahl war“, betont die SPD. „Sehr zufrieden“ zeigt sich auch die FDP. Von einem „sehr vertrauensvollen Verhältnis“ sprechen die Grünen. „Wirth steht den Dingen offen gegenüber“, sagt die FWG. Deshalb unterstütze sie ihn. Die FWG wünscht sich lediglich, dass die Beschlüsse ab und an schneller umgesetzt würden. „Wirth hat richtigerweise zuerst mal die Gebühren auf das gesetzlich vorgeschriebene Maß angehoben“, lobt die CDU.

Wie stehen Sie zum Thema Windkraftanlagen in und um Wildeck?

Mit der ursprünglichen Planung, im Bereich Wildeck, Friedewald und Heringen Anlagen aufzustellen, wären wir einverstanden gewesen, sagt die CDU. Die neuere Planung jedoch, rings um Wildeck herum Anlagen zu betreiben, wird die Fraktion weiterhin ablehnen, unter anderem wegen der Beeinträchtigung des Naturschutzgebietes Rhäden.

Für die bestehenden Anlagen hat die SPD ihre Zustimmung erteilt. Eine weitere Belastung durch Windkraftanlagen, auch im Hinblick auf die bestehenden Belastungen durch Autobahn und Eisenbahnstrecke, sei der Gemeinde nicht mehr zuzumuten.

„Keine Windkraft in Wildeck - das hat das Parlament entschieden“, erklärt die FDP. Sie habe zugestimmt. Windkraft verschleiße zu viele Subventionen. Der Windstärke sei in Wildeck zu gering.

Die FWG vertritt den Standpunkt, dass wir unsere Energieversorgung auf alternative Energien umstellen müssen - aber mit Verstand. „Keine weiteren Anlagen an Stellen, wo wenig Wind weht, und wegen des Vogelschutzes keine im Einzugsbereich des Rhädens“, betont Spitzenkandidat Dr. Kurt Schreiner.

Die Grünen stehen zur Energiewende und befürworten Windkraft auch in Waldhessen. „Wildeck hat bis auf den Standort Gaishecke keine besonders windhöffigen Flächen. Daher befürworten wir dieses Vorhaben“, sagen die Grünen. Möglicherweise müssten die Anlagen wegen des Vogelzugs zeitweise abgeschaltet werden.

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