Unklare Zuständigkeiten

Werratalradweg: Wurden die Radfahrer beim Straßenausbau vergessen?

Richtig und falsch: Der Radler (links) verlässt am Ortseingang von Lengers den Radweg und fährt vorschriftsmäßig auf der Landesstraße weiter durch den Ort. Die beiden Radler (rechts) sind wohl durch die Flachbordsteine und die Markierungen auf der Fahrbahn irritiert worden und fahren – wie übrigens die meisten anderen Radfahrer auch – verbotenerweise auf dem Bürgersteig weiter. Foto: Reymond
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Richtig und falsch: Der Radler (links) verlässt am Ortseingang von Lengers den Radweg und fährt vorschriftsmäßig auf der Landesstraße weiter durch den Ort. Die beiden Radler (rechts) sind wohl durch die Flachbordsteine und die Markierungen auf der Fahrbahn irritiert worden und fahren – wie übrigens die meisten anderen Radfahrer auch – verbotenerweise auf dem Bürgersteig weiter. Foto: Reymond

Hersfeld-Rotenburg. Die Ortsdurchfahrt von Lengers ist seit Ende Mai wieder frei befahrbar, doch eine ausgewiesene Fahrbahn für Radler, so wie vor dem Straßenbau, gibt es für den dort entlangführenden Werratalradweg nicht mehr. Die Radler wurden offensichtlich vergessen.

Das Problem daran: Radfahrer müssen nun auf der Landesstraße durch den Ort radeln und die Piste ist schmaler geworden, als sie es vorher war. Rollt ein Lastwagen durch Lengers, bleibt für einen Radler eigentlich kein Platz mehr auf der Straßenseite.

Für Hans-Heinrich Hartmann, den zuständigen Ansprechpartner des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) im Werratal, sind die Laster aber das kleinere Problem. „Ich habe es schon selbst erlebt, dass durch die Radler auf der Straße die Fließgeschwindigkeit von Kraftfahrzeugen erheblich sinkt. Lkw-Fahrer verhalten sich gegenüber Radfahrern auch vorbildlich. Schlimm dagegen sind die Fahrer von Kleintransportern, die ständig auf die Hupe drücken, obwohl die Radler nun auf die Straße gehören“.

Mit der schmaler gewordenen Fahrbahn wurden aber gleichzeitig die Gehsteige erheblich verbreitert. Böse Zungen behaupten, dies sei gemacht worden, damit das Land Hessen weniger Geld berappen muss. Für eine schmalere Straße wird logischerweise weniger Asphalt benötigt. Die Abrechnung der Bürgersteige dagegen ist Angelegenheit der Stadt und der Anwohner.

„Ein kombinierter Rad- und Gehweg muss seit 2007 innerorts 2,50 Meter breit sein“, erklärt der Fachmann. Das wird zwar in Teilbereichen der Lengerser Ortslage erreicht, aber nicht an einigen Engstellen. „Wir hätten sicherlich eine Idee für die ideale Umsetzung gehabt, sind aber im Vorfeld nicht gefragt worden“, erklärt Hartmann und blickt in die Marktgemeinde Eiterfeld. Im Ortsteil Leimbach hat Hessen Mobil vor einigen Jahren die Durchgangsstraße Richtung Hünfeld (L3171) auf Bewirken von Bürgermeister Hermann-Josef Scheich beiderseitig mit Radfahrer-Schutzstreifen - etwa 1,20 Meter breit - markiert. Dadurch ist die Kernfahrbahn zwar nur noch 4,70 Meter breit, kann aber im Bedarfsfall von Lastwagen und Autos überfahren werden. „So eine Lösung hatte ich für Lengers vorgeschlagen.“ Das bestätigt auch Heringens Bürgermeister Hans Ries. Der hatte sich die Situation damals in Leimbach angesehen und wollte das auch für Lengers so hinbekommen. „Hessen Mobil hatte damals auf unsere zweimalige schriftliche Eingabe aber lapidar mitgeteilt, dass Schutzstreifen in Lengers nicht umgesetzt werden.“

Die Radfahrer scheinen von der neuen Verkehrsführung des Werratalradwegs in Lengers mehr als irritiert zu sein. Ortsunkundige fahren trotz des Schildes „Ende des Radwegs“, weiter auf den Bürgersteigen.

„Das ist aber eigentlich nicht mehr erlaubt. Bis zu zehn Jahre alte Kinder dürfen auf Gehwegen mit dem Fahrrad unterwegs sein. Erwachsene eigentlich nicht. Bei einem Unfall mit einem Auto, das aus einer Hofeinfahrt rollt, wäre der Radler schuld“, so Hans-Heinrich Hartmann vom ADFC. Seiner Meinung nach habe bei der Planung der Ortsdurchfahrt niemand an die Radfahrer gedacht. „Die Stadt könnte jetzt hergehen und die Gehwege mit einem Radfahrer-Frei-Schild kennzeichnen“, erklärt Hartmann. Dann stünde natürlich im Zweifel auch die Stadt in der Pflicht. „Diese Verantwortung werden wir nicht übernehmen. Dann soll bitte das Land den Gehweg für Radler freigeben.“, erklärt Bürgermeister Hans Ries.

Hessen Mobil dagegen verweist auf die Zuständigkeit der Stadt: „Wir

haben der ausgeführten Variante zugestimmt. Dabei sind die Gehwege so breit ausgebaut worden, dass diese für Radfahrer freigegeben werden können. Dies ist Sache der Stadt“, kontert Pressesprecherin Cornelia Höhl von Hessen Mobil.

Von Mario Reymond

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