Angeklagter entgeht Gefängnis: Sieben Monate auf Bewährung

Rechtschaffenheit beschwerlich sein. Eigentlich hatte ein 23-Jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain der Kriminalität abgeschworen und mit der Vergangenheit gebrochen.

Kürzlich musste sich der Mann vor dem Amtsgericht Schwalmstadt aber noch einmal wegen Diebstahls, unerlaubtem Waffenbesitz, Urkundenfälschung und Betrug verantworten. Wohl auch dank seiner engagierten Anwältin blieb dem Arbeitssuchenden ein Gefängnisaufenthalt erspart.

Laut Anklageschrift hatte der 23-Jährige im Dezember 2014 in einem Einkaufsmarkt in Treysa einen Diebstahl begangen und dabei unter anderem eine Mediabox, Gummibärchen und Schokolade entwendet. Der Wert der gestohlenen Waren belief sich auf 128,16 Euro. Der Mann konnte auf frischer Tat von einem Ladendetektiv ertappt werden. Bei der Durchsuchung wurde bei dem 23-Jährigen ein Wurfstern sichergestellt. Um seine Identität zu verschleiern, habe der Angeklagte dem Detektiv einen falschen Personalausweis vorgelegt und mit falschen Namen ein Protokoll unterschrieben, zitierte die Staatsanwaltschaft aus der Anklage.

Alle ihm zur Last gelegten Vorwürfe seien korrekt, erklärte der 23-Jährige. Den Wurfstern habe er gefunden und nur zufällig mit sich geführt: „Ich wollte die Waffe nicht einsetzen.“ Aus Angst vor der Polizei habe er die falschen Personalien angegeben, sagte der sichtlich nervös wirkende Mann.

Es sei völlig unerheblich, ob man eine Waffe einsetzen wolle oder nicht, mahnte der Richter: „Allein das Mitführen der Waffe reicht bereits aus, damit aus einem einfachen Diebstahl eine schwere Straftat wird.“

Ausweis von Bekanntem 

Auf die Frage des Gerichts, woher er denn den Ausweis gehabt habe, lieferte der 23-Jährige eine durchaus kuriose Antwort. „Mein Bekannter hat mir seinen Ausweis gegeben, weil er Angst hatte, ihn zu verlieren.“ Dank der vermeintlich echten Personalien wurde dann zunächst auch gegen den Bekannten ermittelt.

Die Verteidigerin des Angeklagten wies daraufhin, dass ihr Angeklagter zur Tatzeit drogenabhängig und zeitweise obdachlos gewesen sei. In diesem Zeitraum habe ihr Mandant mehrere Straftaten begangen. „Stimmt. Zwölf Sachen in sechs Jahren sind schon eine ganze Menge“, kommentierte der Richter nach einem Blick in die Akte.

Die Tat müsse im engen Zusammenhang mit der Drogensucht und den damaligen Lebensumständen des Angeklagten betrachtet werden, argumentierte die Verteidigung in ihrem Plädoyer: „Er brauchte einfach Essen.“ Nun habe der 23-Jährige aber dank seiner Freundin den Weg aus den Drogen gefunden und baue sich Stück für Stück ein neues Leben auf, betonte die Verteidigerin.

Zu Gunsten des Angeklagten 

Mit sieben Monaten Haft, welche zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wurden, und 100 Sozialstunden fiel das Urteil relativ milde aus. „Es spricht zu ihren Gunsten, dass sie die Tat zugegeben haben und ihr Leben zurzeit in geordneten Bahnen verläuft“, erklärte das Gericht in seiner Urteilsbegründung.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.