Anklage wegen Volksverhetzung: Prozess gegen Roeder wird im Herbst fortgesetzt

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Anklage wegen Volksverhetzung: Prozess gegen Manfred Roeder wird im Herbst fortgesetzt

Treysa. Ein Prozess gegen den bundesweit bekannten Neonazi Manfred Roeder (81), der am Dienstag vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Treysa begann, soll im Herbst fortgesetzt werden.

Aus dem Artikelarchiv der HNA

Das entschied Amtsrichter Gerhard Glaesel. Der Schwarzenborner muss sich wegen Volksverhetzung verantworten. In einem Rundbrief an 1450 Gesinnungsgenossen hatte er im Frühjahr 2009 unter anderem geschrieben, dass „das Lebensrecht der Deutschen auf dem Spiel stehe“, von „Germanien, das von Gott zugewiesen sei“, von „Polen als den übelsten Deutschlandhetzern“ und von „Demokratielüge“.

Das sei keine harsche Kritik; vielmehr mache der Angeklagte die Bundesrepublik verächtlich und stachele den Fremdenhass an, hieß es dazu in der Anklage. Weil aber ein Zeuge – einer der beiden Kriminalbeamten, die Roeder seinerzeit zum Rundbrief vernommen hatten – zum Prozessauftakt fehlte, soll das Verfahren im Herbst fortgesetzt werden.

Außerdem sei wieder ein neuer Rundbrief im Umlauf, hieß es. Bereits im November vergangenen Jahres war Manfred Roeder wegen Volksverhetzung und Leugnung des Holocaust in einem Berufungsverfahren vor dem Marburger Landgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden.

Im Februar 2005 war der Wiederholungstäter bereits vom Amtsgericht Treysa zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Das Landgericht milderte das Urteil, indem es die Strafe zur Bewährung aussetzte. Hauptgrund für die Milde war damals die lange Dauer des Verfahrens sowie der angegriffene Gesundheitszustand des schwerhörigen, damals 80-jährigen Mannes, der zudem unter einer Krebserkrankung leidet.

Angegriffen war Roeder augenscheinlich auch am Dienstag. Erst nach Rücksprache und der Untersuchung durch einen Mediziner durfte lediglich eine Stunde gegen den Angeklagten verhandelt werden. (jkö)

Zur Person

Der ehemalige Rechstanwalt Manfred Roeder ist gebürtig aus Berlin. Er wurde mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt.

Unter anderem wurde er 1982 wegen Rädelsführerschaft bei einem Anschlag auf ein Ausländerwohnheim, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Seit 1975 finden auf dem Schwarzenborner Anwesen des Holocaustleugners , dem „Reichshof“, Freundestreffen sowie Sonnenwendfeiern statt. (red)

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