Am Antikriegstag kamen Menschen auf dem Waldfriedhof in Trutzhain zusammen

Der Frieden bleibt bedroht

Für Frieden: Greta Saiz (links) und Alina Burkart an einem Grab. Fotos: Rose/Archiv

Trutzhain. In einer bewegenden Stunde gedachten am Donnerstagabend Menschen auf dem Waldfriedhof in Trutzhain den Opfern von Krieg und Gewalt: Organisiert worden war die Veranstaltung zum Antikriegstag von der Gedenkstätte und dem Arbeitskreis Spurensicherung des DGB-Ortsverbandes Schwalmstadt.

Musiker Waldemar Grein stimmte die Besucher mit leisem Spiel auf seinem Akkordeon ein. Hans Gerstmann vom Arbeitskreis sagte: „Wir müssen die Politiker an ihre Verpflichtung erinnern, sich für Frieden einzusetzen.“

„Nach 1945 hat es keinen Tag gegeben, an dem auf der Welt nicht irgendwo Krieg geherrscht hätte.“

Hartmut Wagner

Pfarrer Hartmut Wagner teilte seine Gedanken mit den Zuhörern. Ihm sei in der Vorbereitung auf den Tag das Lied „Unfriede herrscht auf der Erde“ eingefallen – geschrieben von einer Polin, habe er es als junger Mensch zur Zeit des Kalten Krieges häufiger gesungen. Jetzt habe er das Lied mit Konfirmanden gesungen, ihnen erklärt, „wie damals Machtblöcke gegeneinander standen“.

Frieden sei heute jedoch nicht etwa weniger bedroht als damals. Wer glaube, dass die Menschen aus den Weltkriegen klüger geworden seien, der irre: „Tatsächlich hat es nach 1945 keinen Tag gegeben, an dem auf der Welt nicht irgendwo Krieg geherrscht hätte.“

In Deutschland könne man dankbar sein für 71 Jahre Frieden. Kritisch stufte Wagner die „Menge an Waffen“ ein, die Deutschland in die Welt liefere: „Wir müssen uns fragen, bei wem sie ankommen.“

Mit Sorge blicke er darauf, was sich zusammenbraue. „Länder, die sich über ein anderes Land stellen, sich abschotten und eine Mauer ziehen und das dann noch als Heilsweg bezeichnen.“

Der Pfarrer gab zu bedenken, dass der Krieg die Ernte aus der Saat von Abgrenzung gewesen sei.

Gefreut habe er sich zu sehen, wie viele Menschen sich in der Flüchtlingskrise für andere eingesetzt hätten. „Das war ein gutes Erlebnis für unser Land.“ Doch eine Haltung zum Frieden allein reiche nicht.

„Es ist wichtig, dass sie sich auch äußert. In Begegnungen und Brückenschlägen – damit die Hetzer nicht das letzte Wort behalten.“

Im Gedenken an russische Kriegsgefangene legten die Besucher zum Abschluss rote Nelken auf ihren Gräbern nieder.

Von Sandra Rose

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