Lost Places

Verlassenes altes Reha-Zentrum: Mann berichtet von herumliegenden Akten

Neukirchen. In die Affäre um die im ehemaligen Reha-Zentrum in Neukirchen verschwundene Krankenakte eines mittlerweile toten Mannes kommt Bewegung:

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Bei der HNA meldete sich ein Schwalmstädter, der zuletzt im Mai in dem leerstehenden Anwesen im Urbachtal gewesen sein will. Er berichtet von mindestens zwei offen zugänglichen Räumen, in denen Krankenunterlagen und Röntgenbilder gelagert sind. Zum Teil seien die Akten in Hängeregistern sortiert, zum Teil sollen sie zwischen Müll und Unrat am Boden liegen.

Damit würde sich der anonyme Hinweis bestätigen, den eine Familie aus dem Altkreis Ziegenhain erhalten hatte. Ihr war mitgeteilt worden, dass die Akte ihres gestorbenen Sohnes in einem der Zimmer herumliegen soll (wir berichteten).

Nicht Zerstörungswut oder Neugier haben den jungen Mann in das Gebäude getrieben. Ihn faszinieren sogenannte „Lost Places“ (vergessene Plätze). Deshalb ist er im Frühjahr in dem Klinik-Komplex gewesen. Dabei sind unzählige Fotos und ein Video entstanden. Sie belegen den desolaten Zustand der riesigen Liegenschaft, die sich auf 50 000 Quadratmetern verteilt.

Fluchtartig verlassen 

Dem Mann scheint es, als hätten die Mitarbeiter den Klinikkomplex fluchtartig verlassen, als Ende 2002 der Betrieb eingestellt wurde: In der Wäscherei liegt noch die schmutzige Wäsche, die nicht mehr den Weg in die Trommel fand. In der Küche stehen die Zutaten für die Mahlzeit des letzten Tages. Medikamente, Labormaterialien, Einrichtungsgegenstände - und auch für sensible Patientenunterlagen fühlte sich offenbar niemand mehr verantwortlich. Aufgegeben, verlassen - fertig.

Ohne Mühe, durch offene Türen, habe er gemeinsam mit zwei anderen in die Gebäude gelangen können, sagt der Schwalmstädter. Dreimal sei er in dem Klinikkomplex gewesen. Ein Ziel, dass offenbar auch andere hatten. Bei jedem Besuch habe es Spuren der Veränderung gegeben. Einmal hat die Gruppe sogar Brandgeruch wahrgenommen und eine verschmorte Tür vorgefunden.

Reha-Zentrum Neukirchen: Krankenakte des toten Sohnes verschwunden

Interesse an den herumfliegenden Krankendossiers haben der Schwalmstädter und seine Begleiter eigentlich nicht gehabt. Dennoch sei es ihm ganz einfach möglich gewesen, in Akten zu blättern, sich Patientenfotos anzuschauen. Im Chefzimmer habe er Bewerbungsunterlagen vorgefunden.

In dem ehemaligen Krebs-Reha-Zentrum, das 2005 in das Eigentum eines niederländischen Investors übergegangen ist, wird jetzt die hessische Datenschutzbehörde aktiv werden.

Von Sylke Grede

Rubriklistenbild: © Privat

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