Laden im Baunataler Ratioland

Jeans-Käuferin findet Zettel mit Hilferuf in Hose von C&A

Will mehr erfahren: Simone Scholl (46) aus Wasenberg fand in ihrer C&A-Jeans einen Hilferuf. „Bitte helfen Sie Kindern in Kambodscha“ ist darauf in englischer Sprache zu lesen. Foto: Paul

Wasenberg. Simone Scholl aus Wasenberg fand in ihrer C&A-Jeans einen Hilferuf auf einem kleinen Stück Papier: „Please Help Cambodia Children“ („Bitte helfen Sie Kindern in Kambodscha“). Seitdem versucht die 46-Jährige herauszufinden, ob die Nachricht ein ernst zu nehmender Notruf ist.  

Qualitäts- oder Discounterware? Teuer oder billig? Das ist oft die Frage, die sich beim Einkaufen stellt - auch bei der Kleidung. Viele Modeketten lassen ihre Ware in China, Bangladesch oder Kambodscha herstellen.

Als Simone Scholl mit einer ihrer Töchter im Baunataler Ratio zum Einkaufen war, habe sie die Jeans bei C&A auf einem Tisch gesehen. „Sie passte wie angegossen und kostete nicht mal 20 Euro, also habe ich sie mitgenommen", berichtet Simone Scholl. „Ich habe mir auch nichts weiter gedacht, bis ich zuhause ein Papier in der Hosentasche gefunden habe."

Sonst stecke sie immer ihre Einkaufszettel in die Taschen, aber die Jeans von C&A sei ja neu gewesen. „Also habe ich genauer hingesehen.“ Und dann kam der Schock für die 46-Jährige: „Auf dem Zettel stand, dass Kinder in Kambodscha Hilfe brauchen, in diesem Fall meine Hilfe. Schließlich war der Zettel in meiner Jeans.“

Anruf in der C&A-Filiale

Scholl wusste zunächst nicht so richtig, was sie von dem Notruf halten sollte, entschied sich aber rasch zum Handeln: „Im Fernsehen habe ich schon Dokumentationen über die Ausbeutung von Arbeitern in asiatischen Fabriken gesehen - auch von Kindern. Das sind wirklich tragische Geschichten.“ Also ging die Mutter von drei Kindern der Sache nach.

Sie griff zum Hörer und rief in der Baunataler C&A-Filiale an. Die dortige Mitarbeiterin habe sich entsetzt über den Zettelfund gezeigt und Simone Scholl für weitere Informationen an die C&A-Filiale in Kassel verwiesen. „Der Mitarbeiter dort erklärte mir, dass in den C&A-Fabriken weltweit, also auch in Kambodscha, keine Kinder arbeiten. Das sei durch regelmäßige Kontrollen gesichert.“ Dennoch wolle er der Sache weiter nachgehen und bat die 46-Jährige daher, ihm den Hilferuf-Zettel mit der Post zuzuschicken.

„Um mich zu erkundigen, ob es noch mehr Zettelfunde im Kreis gibt, habe ich mich aber zuerst einmal an die HNA gewandt“, sagte die 46-Jährige. Außerdem könne man im Fall der Fälle nichts mehr „unter den Teppich kehren“, wenn der Hilfezettel erst einmal in den Medien veröffentlich sei. „Ich unterstelle C&A damit keine bewusste Ausbeutung, aber wenn in den Fabriken tatsächlich Kinder leiden müssen, will ich helfen“, so Scholl.

Seit sie den Hilferuf in ihrer Jeans gefunden hat, schaut die Wasenbergerin beim Einkaufen doppelt hin: „Meine Kinder sind behütet aufgewachsen. Das wünsche ich jedem Kind.“ Und wenn sie dafür in Zukunft ein paar Euro mehr für ihre Klamotten ausgeben müsse, sei das völlig in Ordnung.

Das sagt C&A: Zettel sofort an Modekette schicken

Wie C&A-Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes erklärte, sei der Notrufzettel von Simone Scholl bundesweit bislang der erste gemeldete Fall. „Leider ist der Zettel bislang nicht bei uns eingegangen“, bedauert Rolfes. Daher sei es für C&A aktuell nicht möglich, konkret dazu Stellung zu nehmen.

Sollten weitere Kunden Notrufe in ihren Kleidungsstücken finden, bittet C&A um schnellstmögliche Information und Zusendung an die Filiale.

Die Modekette C&A habe klare Grundsätze: „Unsere Lieferanten müssen das Prinzip des fairen und ehrlichen Handelns auf alle anwenden, mit denen sie Geschäftsbeziehungen pflegen“, erklärt Rolfes. C&A toleriere weder Zwangsarbeit noch Missbrauch, körperliche Strafen oder Ausbeutung. „Kinderarbeit ist für uns völlig inakzeptabel.“ Daher fänden regelmäßig Kontrollen der Produktionsstätten und Gespräche mit den Mitarbeitern vor Ort statt .

Erstmals bei C&A - früher Fälle bei Primark

Vor einigen Monaten war es unter anderem in England zu ähnlichen Zwischenfällen gekommen. In Kleidung der irischen Billigmode-Kette Primark waren diverse Zettel eingenäht, die ebenfalls mit Hilferufen und Hinweisen auf schlechte Arbeitsbedingungen beschriftet waren.

Von Jasmin Paul

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