Allergische Reaktionen auf Speichel der Wanze

Entwarnung: Riebelsdorfer Wanze ist kein Krankheits-Überträger

Riebelsdorf. Wanzenexperte Dr. Wolfgang Dorow und Mediziner Dr. Ulrich Klinge sind sich einig: Die Stiche der Wanze in Riebelsdorf können höchstens allergische Reaktionen auslösen.

Ganz unterschiedliche Schilderungen gibt es von Menschen, die beim Jubiläumsfest in Riebelsdorf und anderswo von den Wanzen gebissen wurden.

Die Berichte

Viele Besucher von „750 Jahre Riebelsdorf“ berichteten, dass die Einstichstellen sehr rasch wieder verschwanden. Anderen hingegen verursachten sie tagelange Probleme. Ein Leser, der nicht genannt werden möchte, beschrieb die Stichwunden als juckende Quaddeln, die erst am nächsten Morgen richtig ausgeprägt waren. „Als ob man über Nacht eine Stechmücke im Schlafzimmer gehabt hätte.“ Sie hätten sich zum Teil sogar entzündet und seien bis heute nicht völlig abgeklungen.

Der Betroffene war verwundert über den extremen Verlauf der Reaktion. Zusätzlich habe er sich gewundert, wie die Experten praktisch von Anfang an die Möglichkeit einer Krankheitsübertragung durch die Insekten ausschlossen hatten, „obwohl die Art doch erstmal unbekannt war.“

Die Expertenmeinung

Nicht kratzen: Dr. Ulrich Klinge, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Schwalm-Eder, empfiehlt eine Salbe gegen allergische Reaktionen auf die Wanzenstiche. Archivfoto:  HNA

Das kann der Wanzenexperte Dr. Wolfgang Dorow allerdings erklären: „Bisher sind Wanzen als Krankheitsüberträger in Europa nicht bekannt.“ Auf anderen Kontinenten gibt es zwar Wanzenarten, die Krankheiten übertragen können, diese seien aber bisher nirgends in Deutschland aufgetaucht.

Da die jetzt identifizierte Art Psallus varians außerdem bisher nur Pflanzen angestochen hat, sei eine Übertragung von Krankheiten auf den Menschen nahezu unwahrscheinlich, meint der Biologe. Vielmehr handelt es sich bei den berichteten Stichen und Wunden um allergische Reaktionen auf den Speichel der Wanzen, erklärt Dorow.

Der medizinische Rat

Dementsprechend können die Stiche auch behandelt werden, erklärt Dr. Ulrich Klinge. Der stellvertretende Leiter des Kreisgesundheitsamtes in Homberg rät zu Salben wie Fenistil oder Soventol, die in der Apotheke auch ohne Rezept erhältlich sind. Sie werden auf die Wunde aufgetragen und lindern allergische Symptome wie Juckreiz, Rötungen und Schwellungen. „Ansonsten bedarf ein solcher Stich keiner weiteren Behandlung“, erklärt Klinge. Ausnahme: Menschen, die auch auf andere Insektenstiche stark allergisch reagieren, sollten frühzeitig einen Arzt aufsuchen.

Ansonsten sollte der Stich zunächst beobachtet werden. Denn wie bei anderen Wunden könne es zu Sekundärinfektionen kommen, warnt der Mediziner: „Das kann passieren, wenn man an der Stelle kratzt. Dann können Bakterien von den Fingern in die Wunde gelangen.“ Die Folge: Die Wunde entzündet sich. Symptome dafür sind Schwellungen, die sich auch nach längerer Zeit nicht zurückziehen und heiß werden.

„Spätestens bei Fieber sollte man seinen Hausarzt aufsuchen“, rät Klinge. Die Infektion der Wunde müsse dann in der Regel mit Antibiotika behandelt werden.

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