Fachärztin hat Praxis in Mengsberg eröffnet

Niedergelassene Medizinerin: Eva Randebrock-Degenhardt, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Psychotherapeutische Medizin in ihren neuen Praxisräumen. Foto: Rose

Mengsberg. Eva Randebrock-Degenhardt ist ihrem Gefühl gefolgt. Damit kennt sich die 63-Jährige aus. Nicht nur mit den Gefühlen ihrer Patienten, auch mit ihren eigenen:

„Ich bin der Liebe wegen nach Mengsberg gezogen“, sagt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Psychotherapeutische Medizin. Nicht nur wohnen will die in Hamburg aufgewachsene Medizinerin im Ort - sie ließ sich auch als Ärztin nieder. Damit hat sich die 63-Jährige für etwas entschieden, was insbesondere jüngere Kollegen seit Jahren scheuen: eine Praxis auf dem Land.

„Ich freue mich auf die Herausforderung und habe bewusst meinen Arbeits- und Lebensmittelpunkt nochmal verlegt“, erklärt Randebrock-Degenhardt. Die Analytikerin hat viele Orte kennen gelernt. Ihre Kindheit verbrachte sie im Norden: „Ich kannte nur einen Berg. Und das war der Deich.“ Die Region zwischen Marburg und Kassel möge sie sehr. Und sie weiß: „Die Unterversorgung ist eklatant.“ Gern will die Ärztin ihr Wissen weitergeben. Dazu habe sie bereits die Kollegen angeschrieben, zum Teil mit ihnen telefoniert. „Ich finde es wichtig, vernetzt zu sein“, sagt Randebrock-Degenhardt.

Beruf ist auch Hobby

Die Vorteile einer eigenen Praxis weiß die Medizinerin zu schätzen: „Ich arbeite gern allein mit den Patienten. Die Klinikerfahrung war aber wichtig, weil man andere Kontexte kennen lernt.“ Randebrock-Degenhardt liebt ihre Arbeit: „Im Grunde ist der Beruf auch mein Hobby.“ Sie sei engagiert bei Kongressen und in Zirkeln: „Sonst kann der Beruf auch ein sehr einsamer sein.“ Der Bedarf an Ärzten ihres Faches wachse seit den 1970er-Jahren stetig: 1995 sei sie in Dillenburg weit und breit die einzige Fachärztin gewesen.

„Ich bin Fachärztin für das Unbewusste.“

Überwiegend behandele sie Menschen mit Depressionen. Mit zum Teil sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Einher gehe die Erkrankung immer mit Versagensgefühlen, die sich gegen die eigene Person richteten: „Die Hauptgefahr der Krankheit sind suizidale Gedanken“, erläutert die 63-Jährige. Nach wie vor sei die Krankheit mit einem gewissen Stigma belegt. „Viele Patienten haben eine Krankheitsodyssee hinter sich: Sie haben körperliche Beschwerden, der Arzt findet aber nichts.“ In der Therapie gehe es darum, nachzukorrigieren. „Eltern geben das weiter, was sie selbst gelernt haben. Das sitzt manchmal tief in der Persönlichkeit, kann aber nachgebessert werden.“

Lieber ein gebrochenes Bein

„Im Grunde bin ich Fachärztin für das Unbewusste.“ Depressionen seien für Patienten und Angehörige schwer zu greifen. „Manch einer sagt, er hätte lieber ein gebrochenes Bein.“ In erster Linie sei es wichtig, den Patienten Zuversicht zu vermitteln, so Eva Randebrock-Degenhardt. Die Medizinerin selbst sagt über sich: „Ich liebe das Leben, bin glücklich verheiratet und genieße gute Gespräche.“

Von Sandra Rose

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