Prozess: Mann erschien nicht zum Dienst

Nicht zum Dienst erschienen: Feldjäger holten Rechtsradikalen ab

Schwalmstadt/Schwarzenborn. Weil er dem Dienst beim Jägerregiment in Schwarzenborn ferngeblieben war, musste sich ein 22-jähriger ehemaliger Zeitsoldat aus Essen jetzt vor dem Strafrichter am Amtsgericht in Treysa verantworten.

Zwei Wochen war der 22-Jährige abwesend gewesen, hatte sich krank gemeldet. Dem Befehl, sich beim Truppenarzt zu melden, kam er nicht nach. Daraufhin rückten die Feldjäger aus und brachten ihn in die Kaserne nach Schwarzenborn zurück, wo er zwei Wochen lang seinen Dienst versah, bevor er aufgrund rechtsradikal motivierter Straftaten aus den Diensten der Bundeswehr entlassen wurde. Wegen eigenmächtiger Abwesenheit verurteilte das Gericht den 22-Jährigen zu einer Geldstrafe von 1440 Euro. Der wegen Sachbeschädigung und Verwendung verfassungswidriger Organisationen vorbestrafte Angeklagte war laut Richter zudem bei einem Eishockeyspiel im Ruhrgebiet mit Sturmhaube und Mundschutz aufgefallen.

Es habe dem eigenen Schutz gedient, gab der Angeklagte an. Kleinlaut räumte er sein Fehlverhalten ein. Er sei sich bewusst, dass er sich damit selbst geschadet habe. Als Grund für sein Nichterscheinen in Schwarzenborn nannte er einen finanziellen Engpass. Er habe die 40 Euro für die Zugfahrkarte von Essen nicht aufbringen und seine Familie ihn finanziell nicht unterstützen können.

Als Zeuge sagte der Kompanieeinsatzoffizier aus, der Angeklagte habe mehrmals gefehlt, in mindestens zwei Fällen eigenmächtig. Seine Entlassung sei jedoch aus anderem Grund erfolgt. Details zur Entlassung nannte der Zeuge nicht.

Die Beweislage sei unstrittig, der Angeklagte geständig, sagte der Staatsanwalt und forderte eine dreimonatige Freiheitsstrafe. Das Verhalten des 22-Jährigen sei kein einmaliger Ausrutscher gewesen und nicht mit „Ich hatte kein Geld“ entschuldbar. Er sei ein Bewährungsversager, dessen soziales Umfeld Anlass zur Sorge gebe, so die Staatanwaltschaft weiter.

Der Anwalt des Angeklagten hob die schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse seines Mandanten hervor. Das Sprühen verfassungsfeindlicher Symbole im betrunkenen Zustand und die darauffolgende Bewährungsstrafe sowie die Ankündigung der Entlassung aus der Bundeswehr hätten eine negative Lebensphase ohne familiäre Unterstützung eingeleitet. Sein Mandant habe sich nicht mehr dazugehörig gefühlt, sagte der Jurist.

Entlassungsverfahren

Das Kapitel Bundeswehr sei für den Angeklagten endgültig beendet, so der Richter. Er verwies auf die mangelnde Motivation des 22-Jährigen durch das gegen ihn eingeleitete Entlassungsverfahren nach dem Bekanntwerden der Vorstrafe.

Von einer Freiheitsstrafe sah der Richter allerdings ab. Er begründete sein Urteil damit, dass das Verhalten des 22-Jährigen keine disziplinarischen Folgen in seiner Einheit nach sich gezogen hätte. (zhk)

Rubriklistenbild: © dpa

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