Fleckenbühler Hof in Leimbach: Bienenvölker als Therapie

Passt auf die neuen Arbeiter auf: Markus Lange betreut auf dem Hof Fleckenbühl in Leimbach die Bienenvölker, die in diesem Jahr in die selbst gebauten Holzkästen eingezogen sind. Der erste Honig des Jahres wird bereits verarbeitet. Fotos: Dittrich

Leimbach. Es summt und brummt schon kräftig auf dem Fleckenbühler Hof in Leimbach. Die Bewohner des Therapie-Hofs versuchen sich jetzt auch als Imker.

In den Holzkästen tummeln sich tausende Bienen und basteln an ihren Honigwaben. Die erste Ernte steht bereits an, erzählt Markus Lange, der sich mit um die Bienen-Völker kümmert. Angeleitet werden die Bewohner des Fleckenbühler Hofs von Arno Bosshammer, Vorsitzender des Imkervereins Ziegenhain. Zusammen mit Bosshammer hoffen die Fleckenbühler auf bis zu eine Tonne Honig in diesem Jahr, erklärt Bernhard Fielenbach, pädagogischer Leiter. Die Bienen, die den süßen Saft produzieren, hat Bosshammer nach Leimbach gebracht. Die Holzkästen, die den fleißigen Insekten als Wohnung dienen, wurden in der eigenen Tischlerei gebaut.

25 Bewohner hat der Hof, in dem Erwachsene und Jugendliche mit einer Suchtvergangenheit gemeinsam leben und arbeiten. Auch jeder Mitarbeiter hat eine Drogen-Geschichte zu erzählen - in Fleckenbühl eine Art Berufsqualifikation. Denn so kennen die Betreuer die Geschichten, Probleme und Herausforderungen, vor denen die Bewohner stehen, während sie versuchen, wieder zu einem geregelten Alltag zurückzufinden. „Viele sind nicht freiwillig hier“, erklärt Joost Loenderfloot, der als Sozialarbeiter auf dem Hof lebt und arbeitet. Sie wurden von Gerichten oder Jugendämtern geschickt.

„Wir nehmen nicht jeden auf“, erklärt Fielenbach, „Die Person muss zu uns passen. Wir gucken auch, ob die Gruppe aktuell überhaupt jemand neues verkraftet“, erklärt er mit Blick auf die Konflikte zwischen den Bewohnern. „Für viele ist das hier die letzte Chance“, sagt Loenderfloot. Wer neu auf den Hof kommt, muss alles aufgeben: eigene Kleidung, Kontakte zu Freunden. „Wir fangen alle auf einem Level an“, erklärt der gebürtige Holländer weiter. Stimmt das Sozialverhalten, gibt es die Sachen teilweise zurück.

Eiserne Regeln

Arbeiten müssen alle - die ersten Wochen in der Küche, später können sie ihre Dienste nach Interesse wählen. Der Verzicht auf Drogen und Gewalt jeglicher Art gehört zu den eisernen Regeln der Gemeinschaft. Wer dagegen verstößt, muss Extra-Dienste übernehmen. Konflikte werden gemeinsam oder in Einzelgesprächen gelöst. Einige leben seit Jahren auf dem Selbstversorger-Hof. Der Garten, die Tischlerei - das alles ist keine Ablenkung, sondern zentral für die Therapie, erläutert Fielenbach. Neues zeigen, Interesse wecken - das ist der Ansatz der Fleckenbühler. „Man muss selber leben, was man erzählt“, sagt Lothar Schmitt, Gärtnermeister und Sozialarbeiter. Er ist der Herr des Hofgartens, wo Salbei, Paprika und weitere Kräuter- und Gemüsesorten nach Demeter-Vorgaben angebaut werden - also biologisch, ökologisch und regional. Der Überschuss geht an andere Höfe in Frankfurt oder Marburg oder wird verkauft.

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