Flora und Fauna freut es: Helmut Zieße erklärt die Streuobstwiese

Paradies oberhalb von Mengsberg: Helmut Zieße, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins, und seine Mitglieder kümmern sich seit 2012 um die angelegte Streuobstwiese. Fotos:  Rose

Mengsberg. Die Streuobstwiesen sollen für Vielfalt und den Erhalt alter Apfelsorten sorgen: Vor vier Jahren wurde in Mengsberg eine Fläche mit 56 Bäumen angelegt. Doch was bedeutet es eigentlich, eine Streuobstwiese zu pflegen?

Wir haben darüber mit Helmut Zieße, dem Vorsitzenden des Heimat- und Verschönerungsvereins Mengsberg, gesprochen.

Herr Zieße, in meinem Garten stehen ein Apfel-, ein Kirsch- und ein Birnbaum. Gilt das schon als Streuobstwiese?

Helmut Zieße: Eigentlich nicht. Der Übergang zwischen Obstbäumen im Garten und einer Streuobstwiese ist zwarfließend. Acht bis zehn Bäume mit hohen Stämmen sollten Sie aber schon haben.

Wie aufwändig ist die Pflege einer echten Streuobstwiese?

Zieße: Man muss das Gras kurz halten, im Frühjahr die Bäume schneiden und sich vor allem um den Baumschutz kümmern gegen Verbiss kümmern. Zur Beweidung setzen wir Schafe ein. Die Wurzeln müssen mithilfe von Körben vor Wühlmäusen geschützt werden. Viel Arbeit macht die Bewässerung. In 2015 haben wir 30 000 Liter Wasser hierher gefahren. Im Herbst muss man natürlich das Obst ernten - aber da haben wir Hilfe.

Worauf kommt es beim Obstbaumschnitt an?

Zieße: Schnitt ist wichtig, damit die Statik der Krone stimmt und der Baum Früchte tragen kann, ohne dass Äste abbrechen. Wer bei der Sortenwahl aufpasst, hat weniger Arbeit. Bäume der Apfelsorte Boskoop müssen weniger geschnitten werden. Insgesamt gibt es drei Schnitte: den Pflanz-, den Erhaltungs- und den Winterschnitt. Das macht bei uns der frühere Forstwirtschaftsmeister Heinrich Schmeck.

Warum gehören auf eine gute Streuobstwiese Schafe?

Zieße: Weidetiere fressen nicht nur Gras, sie sorgen mit ihrem Kot auch dafür, dass die Flächen mit Nährestoffen versorgt wird. Für uns entfällt damit auch das Mulchen. Die Fläche bleibt so das ganze Jahr über sauber.

Welche Bedeutung haben Streuobstwiesen für den Naturschutz?

Zieße: Die Landschaftsform sorgt für ein artenreiches Biotop, beispielsweise fühlen sich hier Salamander und Igel wohl. Viele Tierarten profitieren davon. Die blühenden Wiesen sind zudem ein Eldorado für Insekten. Uns geht es auf der Fläche vor allem um den Erhalt alter Apfelsorten. Wir haben jene ausgesucht, die einen Bezug zu Mengsberg haben.

Ausnahme ist der Elisabethapfel aus Marburg. Wir bekamen einen Sämling, der von einem Baum an der Elisabethkirche stammt. Die Wiese ist als Lehrpfad, insbesondere für junge Besucher, aufgebaut. Wir haben für Lehrzwecke bereits Bäume veredelt. Zur Befruchtung bedienen wir uns Bienenvölker.

Hintergrund

Die Wiese in Mengsberg entstand 2012 auf Initiative des Vereins zusammen mit dem Ortsbeirat und den Waldinteressenten. Dazu pachtete der Verein eine Wiese von der Stadt. Die Fläche ist Teil eines Naturlehrpfades, zu dem ein Hainbuchen- Bestand und der Kinderwald gehören. Auf der Streuobstwiese stehen 56 Bäume, überwiegend Apfel-, aber auch Birnen- und Pflaumenbäume. Im Mittelpunkt stehen alte Apfelsorten wie Gravensteiner, Prinzessapfel, Boskoop oder Schafsnase. Der Verein vermittelt, wie sie verarbeitet und gelagert werden können. Auch in Frielendorf gibt es eine Streuobstgruppe. Die Mitglieder kümmern sich um die Hege, Pflege und Ernte der Bäume der Gemeinde.

Der Pomologen-Verein setzt sich unter anderem für den Erhalt regionaler Obstsorten ein.

Von Sandra Rose

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