Über Hamburg nach Seoul

Kunst von Ernst Groß und Kristina Fiand wird in Südkorea ausgestellt

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Laute Kunst: Ernst Groß verwendet eine Kettensäge, um Skulptuen aus großen Holzblöcken zu fertigen.

Großropperhausen. Hamburg, Bad Ragartz in der Schweiz und die südkoreanische Hauptstadt Seoul: Die Kunst von Kristina Fiand und Ernst Groß geht um die Welt.

Das Künstlerpaar aus Großropperhausen ist in diesem Jahr mit seinen Werken auf zahlreichen Ausstellungen vertreten.

„Unser Terminkalender ist sehr voll. Aber besser, als wenn wir nichts zu tun hätten“, sagt Ernst Groß. Das sorgt für Zeitdruck: Vor dem Kunst- und Werkhof steht ein riesiger Holzblock, aus dem Groß mit Hilfe einer Kettensäge einen Kopf herausarbeiten wird. Zu sehen sein wird das fertige Werk dann bei der Triennale der Skulptur Anfang Mai im schweizerischen Bad Ragartz. „In drei Wochen wird die Skulptur abgeholt, dann muss sie fertig sein. Der Zeitplan ist eng“, erklärt Groß.

Gerade vor Ausstellungen hat das Künstlerpaar viel Arbeit. Der dadurch entstehende Druck stört Groß aber nicht: „Es ist eine Bestätigung für die eigene Arbeit, wenn unsere Werke vor Publikum ausgestellt werden.“ Neben der Triennale in der Schweiz stellen Groß und Fiand auch in Willingshausen, Wetzlar, Karlsruhe und Hamburg aus.

Im Juni beginnt im südkoreanischen Seoul eine Kunstmesse, bei der auch Werke der Großropperhäuser zu sehen sein werden. Zudem sind drei Einzelausstellungen geplant. „Dafür steht aber noch kein genauer Termin fest“, erklärt Fiand. „Wir haben einen Exklusivvertrag mit einer koreanischen Galerie abgeschlossen“, führt sie weiter aus.

Auf dem Gelände des Kunst- und Werkhofs finden auch 2015 mehrere Veranstaltungen statt. Im Juni besuchen Jugendlichen aus Tschernobyl Großropperhausen, um gemeinsam mit dem Künstlerpaar T-Shirts zu bedrucken. Neben zwei Kettensägen-Kursen planen Groß und Fiand auch eine Theateraufführung und einen zweitägigen Weihnachtsmarkt auf ihrem Grundstück.

„Schon im vergangenen Jahr haben wir bei uns einen Weihnachtsmarkt, einen Dorfbrunch und ein Doppelkopf-Turnier veranstaltet“, sagt Groß. Die Veranstaltungen seien gut angenommen worden: „Mittlerweile leben wir seit 21 Jahren in Großropperhausen, sind gut integriert. Daher machen wir auch viel im Dorf.“

Höchste Konzentration: Mit Klöpfel und Schnitzmesser arbeitet Kristina Fiand an einer neuen Skulptur.

Als Treffpunkt für die Großropperhäuser sieht Groß den Kunst- und Werkhof deshalb nicht: „Unsere Treffen haben immer konkrete Anlässe. Bei Veranstaltungen bietet unser Hof aber die Möglichkeit zur Begegnung. 1994 haben Ernst Groß und Kristina Fiand einen denkmalgeschützten Hof mit mehreren Gebäuden in Großropperhausen erworben. Seitdem wohnt und arbeitet das Künstlerpaar dort.

Sofern Fiand und Groß keine Besucher erwarten, werden die Gebäude hauptsächlich zum Arbeiten genutzt. „Natürlich sieht es hier anders aus, wenn eine Veranstaltung ansteht“, sagt Groß mit einem Lächeln.

In den Werkräumen liegen Sägespäne auf dem Boden, viele alte Ausstellungsstücke sind auf dem ganzen Hof verteilt. „Das sind die Objekte, die bei Ausstellungen nicht verkauft wurden“, erklärt Groß. Auch, wenn diese kein Geld einbrachten - nützlich sind sie dennoch.

„Die Teilnehmer unserer Kurse können sich die Skulpturen und Reliefs in Ruhe ansehen und sich inspirieren lassen“, sagt Groß.

In einem Rückzugsraum stehen Regale voller Kunstbücher - ebenfalls für die Kurse, die Groß und Fiand anbieten: „Wer möchte, kann sich hier hinsetzen und die Bücher durchblättern“, erklärt Groß.

Zudem hat das Künstlerpaar eine Küche in dem Gebäude eingerichtet, die als „Werkskantine“ bezeichnet wird. Die wird hauptsächlich dann genutzt, wenn Fiand und Groß Besuch bekommen. „Wenn hier Veranstaltungen oder Kurse sind, stellen wir eine Köchin an, um unsere Besucher zu verpflegen“, berichtet Groß.

Auch für Schüler ist der Kunst- und Werkhof ein beliebter Anlaufpunkt. Laut Groß würden viele Schulklassen Projektwochen auf dem Gelände veranstalten oder einen Tag in der Werkstatt verbringen.

Kristina Fiand und Ernst Groß verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Kunst. Unter anderem verkaufen sie ihre Werke mit Hilfe von drei Stammgalerien in Frankfurt, Hamburg und Wetzlar. „Man muss sich aber ziemlich ins Zeug legen, damit man als Künstler genug verdient“, sagt Kristina Fiand. 60 Prozent der Einnahmen für ein verkauftes Kunstwerk gehen nämlich direkt an die Galerie. Der Betrag, der dann noch übrig bleibt, muss anschließend noch versteuert werden.

Die Skulptur einer Edekafrau, mit der Fiand bekannt geworden ist, kostet knapp 1000 Euro. Das teuerste Werk des Künstlerpaars kostete 14.000 Euro.

Von Kevin Hildebrand

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