Beobachtungen aus Memphis

Präsidentschafts-Wahl: Gilserberger berichtet aus den USA 

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Verbringt ein Auslandsjahr in den USA: Johannes Stahl aus dem Gilserberger Ortsteil Moischeid. 

Dyersburg. Johannes Stahl aus Gilserberg-Moischeid arbeitet und studiert als Stipendiat in den USA. Wie er den Präsidentschaftswahlkampf erlebt, berichtet der 22-Jährige an dieser Stelle.

Seit drei Monate bin ich nun in den USA und darf den Präsidentschaftswahlkampf hautnah erleben. Als ich Anfang August in New York gelandet bin, war mir noch nicht bewusst, wie unterschiedlich und gespalten dieses Land wirklich ist. Mein Auslandsjahr verbringe ich in der Nähe von Memphis im Bundesstaat Tennessee.

Trump oder Clinton? Dieser Frage sehen sich über 200 Millionen Wahlberechtigte gegenübergestellt. Es ist eine Konfrontation der Gegensätze, wie es sie lange nicht mehr in diesem doch so modernen Land gab. Demokraten vs. Republikaner, Metropolen vs. Landbevölkerung, arm vs. reich? Nein, ganz so einfach ist es dann doch nicht in einer Zeit, die durch Fragen und Auswirkungen der Globalisierung, des Terrors, Einwanderung und wirtschaftlicher Interessen geprägt ist.

Mehr Kirchen als Häuser

Dyersburg, eine Kleinstadt im Süden der USA, gelegen am Mississippi im Nord-Westen Tennessees, ist der Ort an dem ich mit meiner Gastfamilie mein Jahr verbringe. Dyersburg befindet sich im sogenannten „Bible-Belt“, was bedeutet, dass hier viele Menschen sehr religiös sind und manchmal scheint es so, als gebe es mehr Kirchen als Wohnhäuser. Tennessee ist ein sicherer „Red-State“, das heißt, die Republikaner mit Donald Trump werden in diesem Bundestaat ziemlich sicher die Wahl gewinnen.

Hier lebt Johannes Stahl während seines USA-Aufenthalts: Das Haus seiner Gasteltern in Dyersburg im Bundesstaat Tennessee. Rechts ist ein Werbeplakat für Donald Trump zu sehen. 

Um besser verstehen zu können, warum ein Kandidat wie Trump eine reale Chance auf einen Sieg hat, sollte ein Instrument dringend hervorgehoben werden: Die Medien. Oder besser, die Nutzung aller Plattformen, um neue Botschaften zu veröffentlichen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen waren US-Bürger schnell bereit, ihre politische Ansicht mit mir zu teilen.

Keine Argumente

Erschreckend war jedoch, wie schnell der Versuch eines konstruktiven Gesprächs zu scheitern droht. Das liegt daran, dass die Argumentationen nach spätestens ein oder zwei Sätzen nicht mehr vom eigens favorisierten Kandidaten oder der Partei ausgeht, sondern sich nur noch und ausdrücklich darauf bezieht, wie schlecht die andere Seite sei.

Eine Aussage, die ich oft gehört habe war, dass man sich zwischen „lesser of two evils“ entscheiden müsse. Das bedeutet in etwa, sich für das geringere Übel zu entscheiden. Demoskopie anhand sachlicher Themen gibt es kaum, einzig das lukrativste Material hat eine Chance in der Berichterstattung, man könnte auch sagen Quantität statt Qualität.

Mediale Strahlkraft

Genau an diesem Punkt schlägt die Pulsader Donald Trumps. Wie kein anderer versteht er es, permanent neue Beiträge in den Medien zu veröffentlichen. Er unterhält, ist omnipräsent und pfeift dabei auf jede vorher dagewesene Korrektheit politischer Kodizes. Diese mediale Strahlkraft bringt ihm nicht nur Gehör ein, sondern ist auch seine Versicherung im Kampf um die Präsidentschaft.

Vergleicht man dazu die mediale Präsenz Hillary Clintons, wirken die Auftritte eher kühl und distanziert. Ihr Unterhaltungswert geht aus Sicht der Medien eher in eine graue, eintönige Richtung.

Wer auch immer die Wahl für sich entscheidet, die Menschen in den USA werden am Ende wohl weit auseinander liegen und die Gefahr besteht, einen noch größeren Riss durch die Gesellschaft dieses Landes zu provozieren.

Von Johannes Stahl

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