Interview: Kubitschko-Brüder heben professionelle Strukturen in Mengsberger Sportverein hervor

Gemeinsam für den TSV Mengsberg am Ball: von links Martin und Gerhard Kubitschko, die beide seit Jahrzehnten gern ehrenamtlich für ihren Verein tätig sind. Foto: Schmidt

Viele Sportvereine haben Probleme, ehrenamtliche Helfer zu finden. Anders sieht das beim TSV Mengsberg aus, der seit 35 Jahren stets zu den höherklassigeren Fußball-Vereinen im Kreis zählt. „Wenn alle Tätigkeiten hintereinander gewesen wären, müsste ich jetzt über 100 sein", sagt Gerhard Kubitschko augenzwinkernd. Im Interview spricht der 64-Jährige zusammen mit seinem Bruder Martin (50) über....

....seine Aufgaben und den Einfluss auf den Alltag:

Gerhard Kubitschko: 10 bis 15 Stunden pro Woche sind es. Es vergeht kein Tag, wo man nichts mit dem Verein zu tun hat. Als Kassierer bin ich bei Heimspielen natürlich mehr gefragt. Zudem kümmere ich mich gern um das TSV-Journal, unser Stadionheftchen.

Martin Kubitschko: Als Sportlicher Leiter habe ich in der fußballlosen Zeit mehr zu tun. Seit Jahren bin ich in jedem Gespräch mit unseren Spielern und potenziellen Neuzugängen dabei. Auswärts ist für mich der Aufwand größer wegen der Pressearbeit. In den letzten zehn Jahren habe ich keine sechs Spiele verpasst. Da wir jetzt zum Glück vier Betreuer für die Erste haben, werde ich entlastet und schaffe es sonntags manchmal zum Abendessen nach Hause.

...die Besonderheit, einen Verein mit dem Bruder zu prägen:

Martin Kubitschko: Das ist natürlich eine feine Sache, wenn man den Bruder mindestens dreimal pro Woche sieht und so oft spricht. Im Vorstand machen wir da aber keinen Unterschied, sondern sind Teil des Teams.

Gerhard Kubitschko: Egal, ob Familienfeier oder Kirmes. Fußball spielt bei uns natürlich immer eine Rolle. Wir haben die gleichen Grundgedanken beim Fußball. Wobei es auch andere Dinge gibt. Ich gucke gern mal Leichtathletik (lacht schelmisch). Per WhatsApp sind wir ständig in Kontakt. Aber es gibt keine Gruppe nur für uns. Es kann nicht sein, dass es einen Alleinunterhalter gibt.

...die Gründe, warum Mengsberg seit Jahrzehnten überdurchschnittlich gut dasteht:

Gerhard Kubitschko: Es gibt rundherum Vereine, die vor 40 Jahren in einer ähnlichen Situation wie wir waren. Wir haben dann erkannt, dass man alles professioneller angehen muss. Die Folge ist, dass wir seit 35 Jahren auf einem Niveau spielen. Mit drei Saisons Verbandsliga als Ausreißer nach oben und fünf Serien eine Klasse tiefer. Die Rahmenbedingungen stimmen. Ein wichtiger Faktor war der Bau des Vereinsheims 1986.

Martin Kubitschko: Wir stehen für Seriosität. Wir bieten jungen Spielern Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem hatten wir das Glück, dass wir außergewöhnliche Mengsberger Fußballer wie Daniel Hainmüller, die bei anderen Vereinen top ausgebildet wurden, zurückholen konnten. Bei uns spüren die Jungs eine gewisse Nestwärme. Neben zwei guten Physiotherapeuten bieten wir etwa auch steuerliche und juristische Tipps. Also Hilfestellung neben dem Platz.

...die Gründe, warum beide ehrenamtlich bei der Stange geblieben sind:

Gerhard Kubitschko: Wir haben noch keinen Dummen gefunden, der es machen möchte (jetzt lachen beide). Ich habe mich immer gern um andere gekümmert und habe Spaß an der Gemeinschaft. Längst hänge ich mit soviel Herzblut am Verein, dass ich es nicht mehr missen möchte.

Martin Kubitschko: Irgendwann bist du in einer Mühle. Viele im Verein verlassen sich auf dich. Als Team sind und waren wir konstant. Wir sind immer motiviert, uns neu zu beweisen. Bei uns gab es nie Quereinsteiger im Vorstand. Wir hatten stets gestandene Leute, die wussten, worauf sie sich beim TSV einlassen.

...wie der Amateurfußball in zehn Jahren aussehen könnte:

Gerhard Kubitschko: Die Jugend lebt das vor, was passieren wird. Und das sieht leider nicht gut aus. Wenn 22 Spieler zwei Jahrgänge bilden und dann für sieben oder acht Teams die Zukunft sein sollen, dann herzlichen Glückwunsch. Es ist ja jetzt schon so, dass etliche 40-Jährige in ersten Mannschaften spielen. Das sind natürlich außergewöhnlich fitte Burschen. Aber die haben auch kaum Konkurrenz.

Martin Kubitschko: Noch ist die Wechselbilanz bei uns positiv. Allerdings wird es in den kommenden Jahren schwieriger, die Zwote in der A-Liga zu halten. Und wenn ich sehe, dass es in diesem Sommer wieder drei neue Spielgemeinschaften gibt, wird es auch für uns schwieriger. Ob wir also in zehn Jahren noch allein spielen, wage ich zu bezweifeln.

Von Sebastian Schmidt

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